Kommentar: Feminismus und verständliche Sprache

Screenshot Shehadistan Blog

Screenshot Shehadistan Blog

Ein Gastbeitrag von Nadia Shehadeh

Ja, ja dieser ganze Krawall um Feminismus und einfache Sprache und Anschlussfähigkeit und die Frage, ob er jetzt inkludierend ist oder nicht. Er ist wahrscheinlich im weitesten Sinne nix von alledem, und das Ganze wird sich an dieser Stelle vielleicht in dem Sachverhalt äußern, dass einige meiner Leser_innen, die bisher noch nie etwas mit Feminismus zu tun hatten, sich dieses Ding hier (vielleicht) durchlesen und sich denken: “Alter, was hat die denn jetzt schon wieder für Probleme.”

Und insgeheim weiß mensch das auch irgendwie, beziehungsweise, ich weiß es, beziehungsweise, ich bilde mir ein, dass es so ist, denn empirische Studien habe ich dazu natürlich noch nicht durchgeführt. (Und igitt, harrr, sie hat “empirische Studien” gesagt, diese Exkludiererin.)

Naja, und dann wird damit rumgelaufen, und das ganze Gezanke um leichte Sprache wird sich angeguckt. Ich habe zum Beispiel das hier gelesen. Und dann fliegt mir ein Text vor die Nase, der mir das Herz aufgehen lässt: “Feminismus ist hart“. Und da stehen so viele, so viele gute Sachen drinne, so richtig geile Sachen, dass ich mich gar nicht genug bedanken kann. Da wird erklärt, warum Feminismus so schrecklich akademisch daher kommt. Da wird gesagt, warum es so wichtig ist, dass Pseudo-Wissenschaft richtige Wissenschaft gegenüber gestellt wird. Das aber trotzdem ganz viel Luft aus allem rausgehauen wird, wenn nur Blabla – und eben nicht mehr – gemacht wird. Wenn es zum Beispiel um die seit Ewigkeiten bejammerten Ungerechtigkeiten wie Lohnunterschiede geht. Und spätestens jetzt haben sich wahrscheinlich die letzten nicht in der Filter-Bubble eingerichteten Leser_innen verabschiedet. Farewell, my Friends.

Ist mir aber auch eigentlich egal, denn die Bubble, dieses total nervige Ding, in dem ich mich halt auch bewege, führt manchmal halt zu ganz tollen Sachen. Zum Beispiel zu Passagen wie diesen, zu denen ich einfach nur sagen kann: Ich kann meine Gefühle für diese Aussagen gar nicht in Worte fassen, aber wer eine grobe Idee haben will, der schaue sich dieses Gif an. Weil:

“Es ist nicht DER Feminismus der heutzutage alles akademisch macht. Es ist eine Abwehrstrategie der Privilegienheinis, jede – wissenschaftlich – gesicherte Erkenntnis anzuzweifeln und so in den pseudoakademischen Diskurs zu zerren. Das Problem sind die Alles-ganz-easy-Feminist_innen, die diesen Schritt mitgehen und denken, man kommt gegen einen privilegiengestützten Pseudowissenschaftsdiskurs mit Alles-ganz-easy-zu-erklären-Argumenten an. Nope. Wir können Pseudowissenschaft mit wirklicher Wissenschaft bekämpfen und andere von uns können Pseudowissenschaft ignorieren und in der Bubble tolle Dinge tun und darin Platz für mehr Leute schaffen. Was Bullshit ist, ist sich an einem Spiel zu beteiligen, das so hingebastelt ist, dass eine_r nicht gewinnen kann.”

Und überhaupt, wenn wir hier also primär ein interdisziplinäres Movement sind von Leuten, die verschiedene Ressourcen haben: Wie Banane ist es da eigentlich, den ganzen Tag einzufordern, die Leute sollen gefälligst “alltagssprachlich” da diese ganzen Gender-Probleme aufbereiten, weil-sonst-versteht-das-ja-kein-Schwein? Machen wir uns nix vor, in der Bubble hocken doch primär akademisch-verseuchte und gut ausgebildete Personen, viele von denen geisteswissenschaftlich eingenordet, und ich frage mich: Wer bittet denn den ganzen Tag Naturwissenschaftler_innen darum, sich bitte LEICHT und FÜR ALLE und überhaupt so furzig und easy (und BITTE NICHT AGGRESSIV, WENN EINER WAS NICHT VERSTEHT!) auszudrücken? Ey-und-wenn-ich-es-nicht-verstanden-habe-wie-das-ist-mit-F-Tests-dann-erklär-es-mir-doch-noch-hundertmal-weil-ey-Du-hast-doch-nix-Besseres-zu-tun!

Ja, ja, Alter, ich kann gleich mal in irgendein Nerd- oder IT-Forum gehen und die geschätzten Kolleg_innen da mit meinen zero-Skillz zu Computer-Zeug behelligen und Fragen, Fragen, Fragen stellen, und I promise, die werden nachdem sie dreimal mein Nicht-Checker-Zeug beantwortet haben auch… ja, sagen wir: leicht angenervt sein, und wisst Ihr was: könnte ich voll verstehen. Und dieses Beispiel ist nicht von mir sondern von Daniel, und darüber wollte er irgendwann mal bloggen, und ich hoffe inständig er macht es noch.

What can I say? Ich schließe mich an: “Ich wünsche ganz viel Glück mit diesem halbgaren Und-alle-so-yeah-Feminismus.” Wer irgendwas Flauschiges mit ganz viel Spaß und Spannung und Schokolade haben will, die_der kann sich ja ein Überraschungsei kaufen. Und hoffen, dass ein Miniatur-Furby drin ist.

Und ansonsten, psssst: Wenn Du keine Feminist_in bist, wenn Du Dich nicht in feministischen Netz-Zusammenhängen bewegst, wenn Du aber trotzdem bis zu diesem Satz alles fertig gelesen hast, dann kann ich Dir nur sagen: Du hast meinen vollen Respekt! (Erstmals erschienen am 11.10.12 auf shehadistan.wordpress.com)

Mehr von Nadia Shehadeh auf  www.shehadistan.wordpress.com