Verona: Wo Oper auf Badetuch trifft

Die Arena beherrscht das Stadtbild von Verona (c)Solveig Grewe

Die Arena beherrscht das Stadtbild von Verona_Solveig Grewe

Reisebericht von Solveig Grewe

Dicke Wolkenschiffe durchkreuzen den knallblauen Himmel über Verona. Noch sind sie weiß, aber in der Ferne ist ein leises Grollen zu hören. Besorgt blicke ich zu Luigi. Doch das emsige Faktotum in unserem Hotel verteilt, wie fast jeden Tag in diesem Sommer, die Handtücher auf den Sonnenliegen. Rund um den Pool des Hotels Antico Termine. „Es wird heute nicht regnen“, eine Aussage, in einer Bestimmtheit, als wenn sie sie nicht das erste Mal am Tag von sich gegeben wurde.
Die meisten Gäste in diesem Hotel haben bereits ihre Eintrittskarten zur heutigen Vorstellung von Guiseppe Verdis Aida in der Arena zu Verona. Da das Spektakel unter freiem Himmel stattfindet, ist die alles entscheidende Frage, wie das Wetter wird. Erst im letzten Jahr war schon die Premiere gleich nach dem ersten Akt im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Luigis Hinweis auf die Gepflogenheit, dass es dann  zumindest das Geld für die Karten wieder zurück gibt, will uns nicht wirklich trösten.
Auf meiner kurzen Autofahrt sehe ich die Arena schon von weitem. Nach dem Kolosseum in Rom und der Arena in Capua ist die Arena di Verona das drittgrößte erhaltene römische Amphitheater der Welt. In den kleinen Gassen steht jetzt alles im Zeichen der bevorstehenden Aufführung. Bis zu 22.000 Zuschauer finden hier in der Arena Platz. Ich sitze auf den nicht nummerierten Steinstufen in den oberen Rängen. Die sind nicht nur preiswert, sondern wegen der Trichterform des Amphitheaters auch akustisch eine gute Wahl. In jedem Fall empfiehlt sich hier aber ein Kissen, denn die Steine sind hart. Unvorstellbar, dass an der gleichen Stelle schon jemand vor mehr als zweitausend Jahren gesessen hat.

 

Sogar echte Pferde wirken hier mit (c) Solveig Grewe

Sogar echte Pferde wirken hier mit (c) Solveig Grewe

Ramses in Verona
Dann wird es dunkel. Bereits nach wenigen Minuten finde ich mich in einer mitreißenden Atmosphäre wieder. Ein Dirigent, der gleich einem Rumpelstilzchen ähnlich vor seinem Orchester herumspringt und das Publikum immer wieder laut „bravissimo“ ruft. Zwischen den mächtigen Ramses-Statuen nimmt das Drama um Liebe, Leben und Krieg in Ägypten zur Zeit der Pharaonen seinen Lauf. Bis zu 500 Darsteller sind bei Massenszenen auf der Bühne – selbst echte Pferde kommen zum Einsatz.
Das ist Oper für alle, nicht nur für Klassikfans. Es macht gar nichts, wenn der Kopf meines Nachbarn zur Mitte des vierten Aktes weit nach  Mitternacht langsam nach vorne sackt. Bald wird ihn tosender Applaus wecken, mit dem das Publikum den in jeder Hinsicht gelungenen Abend, feiern wird.
Bei meiner Ankunft im Hotel kann sich Luigi sein Grinsen nicht verkneifen. „Na, und? Kein Regen, hab ich doch gleich gesagt!“ Er steht mit feiner schwarzer Kellnerschürze vor seinen sehr späten Gästen. Als hätte er nie etwas anderes getan, erklärt er uns bei einem kräftigen Valpolicella-Rotwein das Ripasso, eine besonderen Methode der Valpolicella-Winzer bei der Gärung der Weine. Der Mann ist echt ein Faktotum.

Tipps:
Die nächsten Opernfestspiele finden in der Arena von Verona vom 14.Juni bis zum 08.September 2013 statt.
Reservieren kann man unter:
Telefon: 0039/0458005151,
www.arena.it

Eintrittskarten: 21 bis 198 Euro

Unterkunft:
BEST WESTERN mit einem wunderbaren Pool
Hotel Antico Termine
Via Stazione 44 – 52100- Lugagnano di Sona (VR)
Tel: 045 8681033 – Fax: 045 8681046 

anticotermine.vr@bestwestern.it

Wer vor der Aufführung noch eine kleine Stärkung braucht:
Sehr lecker war es zu sehr zivilen Preisen im
Caffe’ Coloniale
Piazza Viviani Francesco 14/C, 37121 Verona ‎