Interview mit der ägytischen Filmemacherin Amal Ramsis

Amal Ramsis

Amal Ramsis

Die ägyptische Filmemacherin Amal Ramsis war Kuratorin eines einwöchigen Festivals in der Berliner Akademie der Künste zum Thema „Kunst und Revolte“. In Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes zeigte das Festival eine Reihe von Künstlern aus der arabischen Welt, darunter auch den berühmten palästinensischen Filmemacher Elia Suleiman. Eine spezielle Reihe widmete sich den Werken von acht Filmemacherinnen aus der arabischen Welt, darunter Ramsis’ Film „Mamnou“ zu Deutsch „Verboten“, 2011 gezeigt. Am Rande des Festivals traf Gazelle-Autorin Saboura Beutel Amal Ramsis zum Interview.

Amal, willkommen in Berlin. Welchen Eindruck hast du von der Stadt gewonnen?

Berlin wirkt sehr vielfältig. In dem Workshop, den ich während des Festivals für Filmemacherinnen aus Berlin angeboten habe, waren eine Polin, eine Brasilianerin und eine Deutsche, die aber nicht aus Berlin kam. Es passiert vieles im Bereich der Kunst in Berlin, nicht nur im Tourismus.

Was gefällt dir nicht?

Die Mauer. Heute haben wir sie besucht und ich fand es wirklich schockierend. Erstens, die Art und Weise, wie sie präsentiert wird: als ob sie ganz neu wäre. Und zweitens, wie die Mauer bemalt wurde: Es sieht aus, als ob es Graffiti wäre, ist es aber nicht. Sie ist echt hässlich. Man behält etwas, wenn es schön ist, aber es ist echt hässlich. Das war mein Gefühl und die anderen Filmemacherinnen hatten das gleiche Gefühl – die Mauer tat uns Leid. Außerdem kommen wir gerade aus Ägypten. Dort ist die Graffiti-Kultur sehr neu. Im Zuge der Revolution sieht man, wie rasch sie sich dieses Jahr entwickelt hat. Es ist wunderbar. Viele Künstler haben ihren eigenen Stil. Jeden Tag sieht man etwas Neues. Man kommt nicht daran vorbei, nicht einmal die Polizei. Sie haben echt tolle Graffitis gemacht mit viel Humor und vielen Farben. Sie wissen jetzt, dass Leute kommen und sich das anschauen. Es ist nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine politische Plattform.

Du hast vier Jahre in Spanien studiert. Warum bist du wieder zurück und welche Einflüsse für deine künstlerische Arbeit hast du aus Spanien mitgenommen?

Ich denke es ist normal zurück nach Hause gehen zu wollen. Vielleicht denken manche Leute es wäre nicht normal, weil sie denken, dass man – einmal in Europa angekommen -nicht mehr zurück will. Ich ging zum Studieren hin und wollte wieder zurückkommen. Die Zeit in Spanien war mir wichtig, da ich durch sie die Kulturen Lateinamerikas kennenlernen konnte. Ich habe auch bemerkt, dass es in Europa starke Stereotypen über arabische Frauen gibt und wir auch nicht viel über andere Kulturen wissen. Eigentlich haben wir sehr vieles gemeinsam. Deshalb veranstalte ich in Kairo eine Karavane von arabischen und ibero-amerikanischen Filmemacherinnen. Außerdem übersetze ich Filme. Es gibt viele Filme mit englischen oder französischen Untertiteln, aber Spanisch oder Arabisch – das gibt es nicht.

Dass heißt, du kreierst eine Art Solidarität unter diesen Frauen…

Nicht nur das. Ich habe viele gute Filme auf Spanisch gesehen, aus Argentinien, aus Chile. Aber in der arabischen Welt kann man diese Filme nicht anschauen, weil es keine arabischen Untertitel gibt. Und das gleiche gilt für uns – wir haben sehr gute Filme aber niemand sieht sie sich an, weil es keine Untertitel in Spanisch gibt. Ich versuche zwei Dinge auf einen Streich zu erzielen: Zum Einen, die Werke von Frauen bekannter zu machen und zum Anderen, die arabischen und lateinamerikanischen Frauen in ihrer Realität darzustellen. Und auch, um diese Kulturen durch die Filme kennenlernen zu können. In diesen Filmen geht es ja nicht nur um Frauenthematiken. Die einzige Bedingung ist, dass die Filme von Frauen gemacht werden, aber das Thema kann beliebig sein. In den vier Jahren dieses Projekts habe wir über 80 Filme übersetzt, vom Arabischen ins Spanische usw. Wir haben diese Filme in vielen Ländern gezeigt. Wir fangen jedes Jahr in Kairo an und von dort aus ziehen wir wie in einer Karavane in andere Länder. Wir waren schon in 15 Ländern in der arabischen Welt, in Spanien und in anderen europäischen Ländern.

Es gibt viele arabische Metaphern, die von Ägypten, der Nation und der Frau als deren Symbol handeln, z.B. „Masr heya Ummi“ („Ägypten – meine Mutter“). Entsprechen diese noch den Empfindungen junger ÄgypterInnen?

Ägypten auf arabisch ist ein feminines Wort, was gut ist. Und weil wir denken, dass wir so wichtig sind in der Welt, sagen wir, dass Ägypten die Mutter der Welt ist (lacht). Dieser nationalistische Ton gefällt mir nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Trailer zum Film “Mammnou” 2011

 


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