“Ich habe das Privileg noch kein Star zu sein”

 

Özgür Cebe (c) Andreas Wosnitza

Özgür Cebe (c) Andreas Wosnitza

Özgür Cebe: “Ein in Bielefeld geborener Bonner mit türkisch-, armenisch- und kurdischen Wurzeln“, wie er sich selbst vorstellt, betrachtet das “Migrantensohndasein” von der lustigen Seite und erzählt in seinem Programm „Der bewegte Muselmann“ welche Situationen er aufgrund seines „akzentfreien Deutschs“ schon zu meistern hatte. Gazelle-Autorin Anne Moll hat Özgür Cebe  erzählt, wie er zu seiner neuen Berufung gekommen ist und was er neben seinem Solo-Programm noch so treibt.

 

Du hast erst vor kurzem dein Debüt als Kabarettist gefeiert, was hast Du vorher gemacht?

Ich war vorher ein relativ schlecht gebuchter Schauspieler und musste mir daher mein Geld mit nichtkünstlerischen Jobs verdienen. Dadurch habe ich in den verschiedensten Berufen wie Kurierdienstfahrer, Ramp-Agent am Flughafen und sogar als Kaufhausdetektiv gearbeitet. Aber so konnte ich wenigstens Ideen für meinen Job als Kabarettist sammeln. Auch wenn ich noch vor fünf Jahren nie gedacht hätte, dass ich das mal machen werde.

Wie bist Du denn überhaupt darauf gekommen, dass Kabarett dein Genre sein könnte?
Ich war verzweifelt, dass es als Schauspieler nicht so gut lief. Zwar war ich zeitweise festes Ensemblemitglied bei Kaya Yanars „Was guckst Du?!“ und hatte des Öfteren Gastauftritte in der Lindenstraße, aber das war mir zu wenig. Ich hatte eben mal erwähnt, dass ich Ramp-Agent am Flughafen war, eigentlich war ich aber eher eine Rampensau auf der Bühne.
Immer eine Nebenrolle zu spielen war nicht mein Ding.
Außerdem ist man als Schauspieler lediglich das Instrument des Regisseurs. Nicht mal eigene Texte gibt man als Schauspieler wieder, sondern die Texte des Drehbuchautors. Und wenn man sich die Dialoge bei „Alarm für Cobra 11“, wo ich auch einige Male mitgewirkt habe, anhört, dann weiß man, dass da nicht gerade Literaten am Werke sind.
Ich hatte, um es zusammenzufassen, die Nase voll von Produktionfirmen abhängig zu sein um nur die Befehle des Regisseurs auszuführen. Und im Nachhinein verstehe ich nicht einmal, warum die Schauspielerei ein Traumjob ist.
Heute genieße ich diese Unabhängigkeit, die mir das Kabarett beschert. Ich bin der Regisseur, der Autor und der Schauspieler zugleich.

Ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist Menschen zum Lachen zu bringen und auch zum Teil noch politische Statements in den Witzen zu verpacken. Wie kommst Du auf die Sachen, die Du später auf der Bühne erzählst?
Eigentlich ist es immer ein harter Job Menschen zum Lachen zu bringen. Manchmal scheitere ich aber mit neuen Ideen. Das ist eine schmerzhafte Erfahrung und vielleicht auch nötig. Wenn ich auf den offenen Bühnen neue Stücke ausprobiere, weiß ich nie wie das Publikum reagieren wird. Aber das Schöne daran ist auch, dass das Publikum der perfekte Gradmesser ist. Wenn meine Sachen gut sind, lacht es. Wenn nicht, schweigt es. Und ein schweigendes oder desinteressiertes Publikum ist das Schlimmste, was einem Comedian bzw. Kabarettisten passieren kann. Insofern ist es wichtig einen Gradmesser zu haben um zu wissen, was ich noch verbessern- oder auch streichen kann.
Es hört sich jetzt vielleicht unlogisch an, aber ich habe das Privileg noch kein Star zu sein. Viele bekannte Comedians werden meiner Meinung nach mit der Zeit zu eindimensional. Das kommt daher, dass sie sich auf ihrem Erfolg ausruhen können.
Das kann dann zur Folge haben, dass der Künstler sich nicht mehr weiterentwickelt. Siehe Mario Barth. Er ist zwar Multimillionär, fährt mehrere Ferraris, hat aber seit Jahren das gleiche Thema mit der gleichen Performance. Wenn Du mich fragen würdest, ob ich mit ihm tauschen würde… ich würd´ es tun.

Neben deinem Solo-Programm bist Du ja auch bei anderen Projekten mit dabei, zum Beispiel bei „Kabarett am Minarett“. Kannst Du uns kurz erzählen, was das genau ist?
„Kabarett am Minarett“ ist ein Projekt, was durch das Engagement von Jürgen Becker und Christian Bechmann entstanden ist. Christian Bechmann, der in Köln die Reihe „Escht Kabarett“ veranstaltet, hat in Zusammenarbeit mit Zehra Yilmaz, Leiterin der Bildungsstätte in Marxloh und der DITIB in der Duisburger Großmoschee einen Kabarettabend ins Leben gerufen, durch den Jürgen Becker führte. Das Motto war, Vorurteile abzubauen und das Bild, der in Deutschland, meist friedlich lebenden Muslime zu verbessern.


Was gefällt Dir an „Kabarett am Minarett“ so gut?

Kabarett am Minarett“ hat Menschen mit den unterschiedlichsten Konfessionen zusammengeführt. In diesen Momenten wurde Toleranz gelebt. Oft ist es so, dass man das fürchtet, was man nicht kennt. Und viele Deutsche haben das positive Gesicht des Islam kennengelernt. Es gab bisher zwei Veranstaltungen und in der Letzten, ist der Diakon Willibert Pauels aufgetreten. So konnten auch Muslime einen Einblick in den katholischen Glauben gewinnen. Und es wurde an diesem Abend nicht nur gelacht. Einige Zuschauer haben aus Rührung sogar geweint. Es war einfach wunderschön.
Jetzt werde ich aber gefühlsduselig. Ich bin ein harter Türke und kenne keine Gefühle. Bitte die nächste Frage…

Mit Sicherheit hast Du einige unserer Leserinnen jetzt neugierig gemacht. Wo können sie denn mehr über Dich und Dein Programm und vor allem die Tour erfahren?
Auf meiner Homepage
www.oezguercebe.de findet Ihr alle Tour Daten zu meinem Soloprogramm „Der bewegte Muselmann“ und auch Kurzauftritte sind mit dabei, für die, die mich nicht lange ertragen können.

Vielen Dank für das Interview, es hat mich gefreut mit Dir zu sprechen


1 comment

  1. Habe ihn schon sehr gerne bei Alarm für Corba 11 gesehen. Wünsche ihm viel Glück und vielleicht wird er ja dann doch ein Star. Würde ich ihm auf jedem Fall wünschen. Viel Glück!

Comments are closed.