Stellungnahme NEUE DEUTSCHE MEDIENMACHER zu Mely Kiyak

Ein strittiger Satz über Thilo Sarrazin reichte aus, um rassistischen Hetztiraden in digitalen Medien über die Kolumnistin Mely Kiyak vorzufinden. Zunder gaben allseits bekannte rechte Foren, die Mely Kiyak jenseits jeglicher Geschmacksgrenzen schon länger attackieren. Die Kollegin bedauerte diesen Satz. Aber leider fängt hier die Geschichte erst an. Denn befeuert wurde die Jagd zusätzlich von der Springer-Presse.

Was bisher „nur“ in rechten Internetforen, in Kommentaren unter Zeitungsartikeln und in persönlich adressierten Briefen an die Journalistin und ihre Redaktion zum Ausdruck kam, haben drei BILD-Journalisten am 26. Mai 2012 salonfähig gemacht. Unsere Kollegin wurde öffentlich zum medialen Abschuss frei gegeben. Andere Journalisten aus dem Hause Springer nahmen sich ein paar Tage später erneut der „Causa Kiyak“ an und zündelten weiter. Dass die Journalisten des Hauses Springer Sarrazin als „Opfer“ stilisieren und zu Wort kommen lassen, ist dabei nur das kleinere Übel. Sie übernahmen Aussagen von Vertretern der rechten und antimuslimischen Onlineforen.

Wir als “Neue Deutsche Medienmacher“ nehmen Anstoß daran, dass sich Journalisten und Redaktionen als Zugpferde der Tastatur-Nationalisten und selbsternannten Deutschlandretter im Internet vor deren Karren spannen lassen.
Tagtäglich sind in Deutschland Journalisten und Journalistinnen mit und ohne berühmt-berüchtigtem „Migrationshintergrund“ demütigenden Anfeindungen ausgesetzt. So wie Mely Kiyak. Ihre und unsere Anwesenheit in der deutschen Medienlandschaft ist Einigen offenbar ein Dorn im rechten Auge.

Wir wünschen uns von den Redaktionsleitern und den Redaktionen in diesem Land, dass sie sich wie die „Frankfurter Rundschau“ hinter ihre MitarbeiterInnen stellen, wenn sie mit rassistischen Hasstiraden und verzerrenden BILD-Artikeln zu kämpfen haben.

Wir wünschen uns ebenfalls mehr KollegInnen und Redaktionsverantwortliche, die diese Hass-Mails publik machten. Mely Kiyak ist kein Einzelfall. In diesem Land gibt es weitaus mehr AutorInnen und PublizistInnen, die derart angefeindet werden. Das sollte die Öffentlichkeit erfahren.

Wir hoffen ebenfalls, dass in einigen Online-Redaktionen endlich der Groschen fällt und eindeutig rechte Kommentare abmoderiert werden. Solcherart rechtslastige Kommentare sind inakzeptabel. Punkt.

Wir zollen Mely Kiyak und allen anderen KollegInnen Respekt dafür, dass sie sich trotz Hassmails und Shitstorms nicht aus der Ruhe bringen lassen. Trotz und gerade deswegen halten sie mit ihrer Arbeit täglich dagegen an. Der Rückhalt durch ihre Redaktionen sollte ihnen umso mehr sicher sein.

Liebe Mely Kiyak! Wir stehen hinter dir und freuen uns auf viele weitere klug formulierte und pointierte Kolumnen.
Ebru Tasdemir für Die Neuen Deutschen Medienmacher