Die nackte Kunstwelt des Akif Hakan Celebi

Nilgün Akıncı über die veralteten Darstellungsbilder von Frauen und wie der türkische Fotograf Akif Hakan Celebi diese unter dem Deckmantel Kunst verpackt.

Screenshot Akrif Hakan Celebi im C Internation Magazine

Screenshot Akrif Hakan Celebi im C International Magazine

Akif Hakan Celebi ist ein internationaler Fotograf türkischer Herkunft, der ein Talent dafür hat, mit starken Farben den Expressionismus in der Fotografie zu schaffen. Er versteht es, mit visuellen Effekten eine atemberaubende Ästhetik zu kreieren. Sein ästhetischer Einfluss durch asiatische Künstler wie den Fotografen Araki und den Filmemacher Wong Kar Wai sind unverkennbar, jedoch bleibt es bei letzterem nur der erste Eindruck, denn die Inhalte sind in ihrer Botschaft verschieden. Celebi arbeitet in der Mode- und Beautywelt, von Akt bis High Fashion ist alles dabei. Er fotografiert fast ausschließlich Frauen, vor allem Asiatinnen. Celebi wolle mit seiner Arbeit die Frau von gesellschaftlichen Zwängen befreien, wie man seinem Blog entnehmen kann. Jedoch sind die abgebildeten Frauen oft passiv und je nackter sie sind, umso blasser scheinen sie.

Sexuelle Erregung durch Sauerstoffmangel

Doch wie möchte er die Frauen befreien, wenn er selbst das Bild der sexuell allzeit verfügbaren nackten Frau kreiert, das eine beachtliche Anzahl von Fetischen bedient, mit kindlich inszenierten Frauen bis zu sado-masochistischen Szenen, in denen man durch die Perspektive des Fotografen selbst in den zweifelhaften Genuss kommt, wie es sich anfühlen muss sexuelle Gewalt auszuüben. Wie zum Beispiel in seiner im “C International Magazine” erschienen Fotoserie “Protect Me”, wo die masochistische Störung Hypoxyphilie als Inspiration dient, in der man sexuelle Erregung durch Sauerstoffmangel oder Atemnot empfindet. In den Fotografien greift er selbst als Fotograf ins Bild und würgt die abbgebildete Frau, die Hypoxyphilie dient dabei als fadenscheinige Erklärung, weshalb diese Frau dabei Lust empfinden solle. Dabei dienen oft Asiatinnen in seinen Werken als das sexuelle Lustobjekt, als wäre dies nicht auch ein altgedientes Bild der Männerwelt und als Projektionsfläche für Fantasien eintönig. Das Bild steht für die vom unsichtbaren Fremden genötigte Frau, die dabei gefälligst Lust zu empfinden hat.

Wirklich sehr befreit diese Frau. Die hohe Kunst der Pornografie im Mantel der Kunst. Lawrence von Arabien würde sicher Beifall klatschen, erst das Objekt der Begierde “befreien” – in diesem Fall von Kleidung und humanistischem Wert, dann selbst besetzen. Das frappierendste an Celebis Arbeit ist die Kombination daraus, die Ästhetik von annerkannten Künstlern als Vorlage zu nehmen, daraus Pornografie zu machen, diese als Kunst aufzuwerten und eine Geschichte von Freiheit zu singen. Wo ist der Scheideweg zwischen Pornografie und Kunst? Wenn man Pornografie in schönen Farben macht, kann man nicht dazu stehen?

 

Altbewährt: Das Model und der Fotograf

Die Kombination “alter Sack und junges nacktes Model” ist weit verbreitet und mag ja einen gesellschaftlichen Spaß und Befriedigung von Egos darstellen. Jedoch sollte die Gefahr, die daraus resultiert, nicht verkannt werden, dass Frauen als Objekte zur Befriedigung von Heerscharen von Fotografen dienen, die meinen ganz große Kunst machen zu müssen. Nacktheit von Mann oder Frau kann künstlerisch inszeniert werden, der nackte Körper des Menschen hat seine ganz eigene Ästhetik und fasziniert seit jeher den Mensch. Wenn dabei die Würde des Menschen nicht angetastet wird, ist an Akt nichts auszusetzen.

Celebis Arbeitsweise ist kein Einzelfall und nur ein Beispiel für eine gängige Denkweise in der Welt, die Verfügbarkeit und vermeintliche Aufwertung der Frau durch Nacktheit. Wir können das Phänomen in vielen Bereichen sehen, wie in der Werbe- und Modewelt und in unserem Alltag erleben. Frauen werden hier durch Manipulation in die Passivität gedrängt, um gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten. Die Nacktheit ist dabei nur ein Werkzeug. Dabei sind nicht nur Männer die Täter, viele Frauen bedienen sich auch dieses Apparats. Menschen sollten dies sich bewusst machen, denn nur so können wir den Wechsel von einem zum nächsten Kolonialherren über die Frauenwelt vermeiden und die wirkliche Freiheit erlangen, nämlich selbst zu bestimmen, wer wir sind und was wir wert sind.

Zur Webseite von Akif Hakan Celebi: www.hakanphotography.com