KÖLN : 17.-22. April 2012 in Köln: Internationales Frauenfilmfestival

What’s going on?
Die arabische Welt, Tilda Swinton, Julia Jentsch und lesbische Space Aliens. Das Internationale Frauenfilmfestival 2012 schöpft aus dem Vollen

 

Ab heute lädt das Internationale Frauenfilmfestival nach Köln ein und rückt bis zum 22. April das Filmschaffen von Frauen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der Startschuss fiel am gestrigen Abend mit einer feierlichen Eröffnung im Odeon Kino und dem ersten Film des Festivals: Eva Katharina Bühler wurde bereits zur Preisträgerin des Deutschen Wettbewerbs für Bildgestalterinnen gekürt und zeigte ihren Dokumentarfilm “Der weiße Schatz und die Salzarbeiter von Caquena”, eine Geschichte in epischen Bildern über den bevorstehenden Lithium-Abbau in Bolivien. Das Publikum darf sich in den nun folgenden Tagen auf ein großes internationales Filmprogramm freuen, in dem bildgewaltige Spielfilme neben engagierten Dokumentarfilmen sowie Kurz- und Experimentalfilmen stehen. Aus über 800 Einreichungen von Regisseurinnen aus der ganzen Welt präsentiert das Festival eine Auswahl von 102 aktuellen Filmen aus 29 Ländern.

Im Internationalen Debüt-Spielfilmwettbewerb konkurrieren acht Filme um das Preisgeld von 10.000 Euro. Vom intensiven Kammerspiel über einen One-Night-Stand in “Nuit #1″ der Kanadierin Anne Emond bis zu Naturparabeln wie “Historias que so existem quando lembradas” von Julia Murat und “Zephyr” der türkischen Regisseurin Belma Bas reicht das Spektrum. “17 filles” von Delphine und Muriel Coulin erzählt die Geschichte von 17 Schülerinnen, die beschließen gleichzeitig schwanger zu werden, Anja Salomonowitz zeigt das österreichische Gesellschaftsporträt “Spanien”. Die diesjährige Jury ist hochkarätig besetzt: gemeinsam mit der chinesischen Filmemacherin und Autorin Xiaolu Guo und der mexikanischen Filmkritikerin Lucy Virgen entscheidet die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch über die Preisvergabe. Im Länderschwerpunkt What’s going on? Fokus: Die arabische Welt sind Filme aus Ägypten, Jordanien, Libanon, Marokko, Palästina und Tunesien zu sehen. Die künstlerische Auseinandersetzung der Regisseurinnen in und mit ihren Gesellschaften ist vielschichtig und gibt Einblicke in Spannungsfelder und Widersprüche der arabischen Welt. Das Panorama ist die Schatzkiste des Festivals und widmet sich Filmen aller Genres, die sich durch eine besondere Ästhetik, spannende Erzählformen oder experimentelle Ansätze auszeichnen. Hier ist für jede und jeden etwas dabei. Anlässlich des Kulturprogramms Klopsztanga – Polen grenzenlos NRW zeigt das Festival Filme aus Polen und die große Queer-Sektion begehrt! wartet in diesem Jahr mit viel Humor und ironischen Spitzen gegen Homophobie und Ausgrenzung auf. Das Schulfilmprogramm, Weiterbildungsangebote, ein Filmworkshop für junge Frauen sowie zahlreiche Specials wie Konzerte, Diskussionen und Vorträge komplettieren das Angebot für das Kölner Publikum. Über 60 internationale Gäste treten die Reise an den Rhein an und freuen sich zusammen mit dem Festival auf tolle Begegnungen und den Austausch mit den Zuschauer_innen.

Bei der Eröffnungspressekonferenz im art’otel cologne stellte Festivalleiterin Silke J. Räbiger nicht nur das umfangreiche Programm, sondern auch erste Gäste vor. Die Filmemacherin Anne Emond etwa erzählte von ihrer Begeisterung für den Regieberuf. Einen ersten langen Spielfilm zu drehen, sei nicht der Karriere geschuldet gewesen, sondern habe sich erst im Projekt ergeben. Das Schöne am Filmemachen sei, dass man etwas möglich machen könne, was im wahren Leben vielleicht niemals passiert. In ihrem Film “Nuit #1″ habe sie genau dieses Potenzial nutzen wollen. Der Debüt-Wettbewerb, so betonte Silke J. Räbiger, diene der Förderung von Nachwuchsregisseurinnen und garantiere eine erste finanzielle Sicherstellung eines nächstes Filmprojekts. Natürlich würde das Festival hierfür gern mehr Geld zur Verfügung stellen, doch Preissponsoren seien in diesen Tagen schwer zu finden.

 

Weitere Infos: http://www.frauenfilmfestival.eu/