Newcomerin Y´akoto: “Mein Job ist es Geschichten zu erzählen und ein Gefühl zu kreieren”

 

Y´akoto (c) Warner Music

Y´akoto (c)Warner Music

Sie ist eine junge Hamburger Künstlerin, mit ghanaisch-deutschen Wurzeln. Ihre Musik betitelt Y‘akoto selbst als Afro-Folk und, obwohl ihre Songs ganz eindeutig nach Soul klingen, findet sie selbst ganz bescheiden, dass sie noch nicht ganz da ist: „Ich würde sagen, meine Musik ist nicht Soul, sondern Soul Searching.“ Im März veröffentlicht die 24jährige ihr Debütalbum Babyblues. Gazelle hat Y’akoto in Berlin getroffen.

Was hat den Namen deines Albums Babyblues inspiriert?

Es gibt einen gleichnamigen Titel, er ist der erste auf dem Album. Für diesen Song wusste ich sofort, der heißt Babyblues, ich habe da überhaupt nicht drüber nachgedacht. Ich lasse bei Musik immer alles ganz ungefiltert raus, was ich erlebe, finde es aber nachträglich sehr passend, weil ich einige Songs mit 20, einige sogar mit 16 geschrieben habe.

 

Gibt es trotz der großen Zeitspanne ein Konzept im Album, oder ein grobes Thema?

Es gibt keinen richtigen roten Faden. Was es verbindet ist, dass es von mir stammt und dass es darum geht wie man mit diversen Situationen im Leben umgeht, mit verschiedenen Phasen und emotionalen Umständen. Es beschreibt verschiedene Etappen des menschlichen Daseins, auch Erfahrungen anderer Leute, allerdings aus meinem Blickwinkel.

 

Gibt es einen Track auf Babyblues, zu dem du eine besondere Beziehung hast?

Ein Song heißt Moving. Er ist so etwas wie der Schlüssel zu meinem Charakter, weil er eine Phase in meinem Leben beschreibt, in der Dinge sich veränderten. Es war ein Punkt, wo Schmerz und Leid da war, ich aber einen Kämpfergeist entwickelt hatte und die Kraft, vorwärts zu gehen.

 

Wie würdest du das Genre Afro-Folk beschreiben und warum nennst du deine Musik nicht Soul?

Ich finde Kategorisierungen grundsätzlich schwierig. Ich scheitere daran immer. Das ist das, was Menschen machen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Leute versuchen auch ständig mich zu kategorisieren, ist sie nun Deutsche oder Ghanaerin? Mittlerweile ist es mir egal. Aber um etwas zu beschreiben, muss man dem ja einen Namen geben, deswegen nenne ich meine Musik Afro-Folk. Afro ist offensichtlich, das ist meine Herkunft. Und Folk deutet auf das Geschichten-Erzählen hin, ich erzähle Geschichten für Leute und mit Leuten. Soul ist ein bewegender Term, aber ich finde, dass ich eher auf der Suche danach bin, was meine Seele ergreift, ich nenne das „Soul Searching.“

 

Wie wichtig ist Musik als politisches Medium für dich? In deinem ersten Song Tamba geht es ja um einen Kindersoldaten.

Mein Job ist es Geschichten zu erzählen und ein Gefühl zu kreieren, so sehe ich das zumindest. Ich finde den Song eigentlich gar nicht mehr so politisch, das ist viel mehr Menschlichkeit und Mitgefühl. Grundlage dafür, ist der Prozess Abstand von mir zu nehmen und meiner Welt, und sich in jemanden hinein zu versetzen. Solche Geschichten verdienen es erzählt zu werden. Aber manchmal will ich auch weg von dieser Tiefsinnigkeit, es muss auch nicht immer ernst sein, ich hab auch gerne eine gute Zeit, albere rum und rede manchmal gern über Menschen in der Öffentlichkeit mit Präsentationsdrang, die ich peinlich finde und so was.

 

Welche Musik hörst du selbst?

Das ist unterschiedlich. Zurzeit höre ich Imany, die ist gerade in Frankreich raus gekommen. Oder R’n’B, The Weeknd, zum Beispiel, aber das ist immer unterschiedlich, je nach Phase, Lust und Situation.

 

Was hältst du von den Vergleichen mit Billie Holiday und Erykah Badu?

Die rühren mich sehr, das sind grandiose Persönlichkeiten. Es ehrt mich, aber ich kann dazu keine Beziehung herstellen, weil ich mich da gar nicht hin traue. Ella Fitzgerald hat mich immer sehr berührt und inspiriert und Nina Simone, die hat meine Mutter früher aufgelegt. Ich versuche meine Songs nicht zu schmücken, ich mache keine Ad Libs und singe Dinge gerade heraus, das ist vielleicht was, was mich und diese Künstlerinnen verbindet. Generell überwältigen mich aber solche Vergleiche eher.

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Was war ein besonderer Moment in deiner bisherigen Karriere?

In München, nach einem Konzert, kam ein Mädchen zu mir. Sie guckte mich sehr eindringlich an und sagte, sie hätte ihre Unterlagen für ihre Exmatrikulation fertig und war ganz entschlossen, die Uni zu schmeißen. Sie sagte, dass sie nach meinem letzten Song entschieden hätte, es nochmal zu versuchen, weil sie so inspiriert war. Das war ein Moment, da wusste ich, das was ich mache ist richtig. Das kennt ja jeder, dieses Gefühl am Ende zu sein, kurz vorm Aufgeben. Dass ich sie da abholen konnte und auf einen guten Weg führen, das hat mich stark berührt.

 

Was ist demnächst geplant? Arbeitest du schon an deinem zweiten Album?

Das nächste Album ist eigentlich schon fertig, die Demos sind bereits aufgenommen. Ich schreibe viel, ich höre eigentlich nie auf damit. Demnächst ist eine Clubtour geplant. Da geht’s durch die großen deutschen Städten. Ich hoffe da kommt überhaupt jemand, ich fühle mich als hätte ich eine große Party geplant und frage mich, ob überhaupt jemand erscheint.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Osia Katsidou

 

Webseite der Künstlerin: www.yakoto.de und Musikvideos finden sich hier: www.yakoto.de/videos

Wer bei der großen Party dabei sein möchte, sollte sich daher bereits einmal die Termine notieren. In folgenden Städten ist Y´akoto unterwegs:

12.05. München, Ampere

13.05. Köln, Studio 627

14.05. Hamburg, Knust

15.05. Berlin, Comet

 

Infos zum Album:

Babyblues” erscheint am 23.03. bei Warner Music