Afrohaare – Alles andere als unnormale Haare!

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Von Gastautorin Esther Donkor

„Deine Haare sind ja unnormal“ Meine sind normal!“ Der 10-jährige, blonde Neffe meines Freundes  bringt mich mit dieser Aussage nicht mehr aus der Fassung. An Kommentare dieser Art bin ich gewöhnt. Auch an das häufig vorkommende, ungefragte Anfassen meiner Haare von Menschen, die ich nicht kenne oder die mir nicht gerade nahestehen. All das hat jede Krauselocke mit Sicherheit schon erleben müssen. Und nicht wenige werden davon verunsichert oder greifen zu Relaxern und anderen Mitteln, um ihre Haare „normal“ aussehen zu lassen. Obendrein leben Weltstars wie Beyonce es vor: Glatte Haare als Schönheitsideal, auch für Frauen mit von Natur aus anderer Haarstruktur.

Aber gibt es diese Unterscheidung zwischen „normal“ und „unnormal“ wirklich? Oder sollte man nicht endlich anfangen darüberzustehen und zu akzeptieren, dass eine solche Unterteilung völliger Schwachsinn ist. Mit krausem, lockigen oder Afrohaar kann man eine Menge machen ohne dabei unansehnlich zu wirken. Es gibt eine Menge Stylingmöglichkeiten. Man kann das Haar drehen oder Flechten, den guten alten Afro tragen, Dutts, Flat Twists, Bantu Knots und vieles mehr. Die Auswahl ist groß. Auch mit dem Mythos, Afrohaare seien dicker und robuster als andere Haarstrukturen muss ein für alle Mal aufgeräumt werden. Es ist sogar anfälliger für Haarbruch, im natürlichen und relaxten Zustand! Die regelmäßige Anwendung von Relaxern führt nicht dazu, dass das Haar lang und glatt wird. Die natürliche Haarstruktur wird systematisch, chemisch zerstört. Sie verliert sowieso viel schneller Feuchtigkeit als andere Haarstrukturen und trocknet schnell aus. Bei der falschen Pflege macht ein Relaxer alles nur noch schlimmer.

Aber was ist die richtige Pflege fürs krause Haar? Jeder Kopf ist anders, heißt ein bekanntes Sprichwort. Und das gilt auch für die Haare auf dem Kopf. Ein ultimatives Rezept gibt es nicht. Jede/r muss seine eigene Haarroutine finden. Achten sollte man auf natürliche Feuchtigkeitsspender wie Shea Butter oder Oliven Öl. Außerdem sollte man sein Haar eher nass als trocken kämmen, um Haarbruch zu vermeiden und regelmäßig die Spitzen schneiden, sodass kein Spliss entsteht. Hat man seine Haarroutine einmal gefunden, macht es sogar richtig Spaß. Man entwickelt ein völlig neues Haarselbstbewusstsein und einen Stolz auf sein Haar, den man nach außen trägt. Und dieser Stolz ist wichtig. 2012, wo es die Unterscheidung zwischen „normalem“ und „unnormalem“ Haar eigentlich nicht mehr geben sollte.

 

Esther Donkor ist Redakteurin bei Krause Locke und regelmäßige Gastautorin bei  Gazelle.