BUCHTIPP: Schrecklich schönes Afrika von Margit Maximilian

Von Saboura Beutel

Afrika – die Schöne und das Biest?

Es ist „schrecklich“, „schön“ und wie das Cover suggeriert „schwarz“ und fern – ein Buch, das von einem widersprüchlichen Afrika handelt und versucht, uns die Komplexität des Kontinents ein Stück näher zu bringen. Die österreichische Journalistin Margit Maximilian beschreibt in vierzehn kurzen Reportagen die Eindrücke und Erfahrungen ihrer langjährigen Berichterstattung für den Österreichischen Rundfunk aus dem Afrika südlich der Sahara.

Angefangen bei den Talibé-Koranschülern des Senegal, über die afrikanische Schönheitsindustrie hinweg, bis hin zur „Jagd auf weiße Farmer“ in Simbabwe und zum post-Apartheid Südafrika werden alle erdenklich afrikanischen, aktuellen Themen und politischen Figuren angeführt: Wirtschaftsflüchtlinge, Kindersoldaten, die Al-Kaida in Mali, African Women, die Spaltung des Sudan, die gefangenen Journalisten Eritreas, Mugabes Simbabwe – und Mandelas Südafrika.

Die Autorin schafft es, diese Bandbreite an eindringlichen, schwierigen Themen durch eine sehr lebendige und bildhafte Sprache an den Leser zu bringen. Man folgt der Reporterin auf Schritt und Tritt in das Schicksal der betroffenen Länder und ihrer Menschen. Dabei erklärt sie auch das Dilemma einer fremden Reisenden: Wie sie als weiße Journalisten manchmal zur finanziellen „Melkkuh“ degradiert wird oder mit der westlichen Berichterstattung gar Schuld an den ausbleibenden Touristen in Mali tragen solle.

Doch lieber „Mama Afrika“?

Frauen und die Stärke ihrer Handlungsfähigkeit sind ein immer wiederkehrendes Motiv in Maximilians Schilderungen Afrikas. Da wäre beispielsweise Madame Diouf, die mit ihrer NGO versucht, junge Afrikaner davon abzuhalten den Fehler zu begehen, dem ihr Sohn zum Opfer fiel: Anstatt die Zuflucht in Europa, fand er den Tod im Mittelmeer. Auch die Samburu-Frauen Kenias, die das erste Frauendorf in Ostafrika gründeten, erzählen von dieser Women Power.

Untermalt werden die Einblicke durch reiche Zusatzinformationen und Erklärungen zu den politischen und historischen Hintergründen der jeweiligen Länder. Dadurch erhalten die persönlichen Einblicke eine abgerundete Tiefe, die zu erschaffen nur eine erfahrene Afrika-Journalistin im Stande ist.

Ein Buch, das versucht uns aus unserem Schwarz-Weiß-Denken hinauszuführen und dennoch an der Oberfläche darin verhaftet bleibt: Auf die Nachfrage, warum der exotisierend wirkende Einband ein wenig aufmacherisch erscheint, gab es die Antwort, dass das Buch laut des Verlags ja auch irgendwie Interesse wecken müsse.

Schwarz-Weiß, Gelb-und-Grün

Daher wohl auch die anmutenden Poesie – obwohl man beim Lesen nicht vergessen darf, dass dies keine erdachten Kurzgeschichten mit wundervollen Pointen sind, sondern die Schicksale wahrhaftiger Akteure, die den politischen und sozialen Herausforderungen ihrer Gesellschaften von Tag zu Tag mit großer Schwierigkeit begegnen.

Diejenigen, die Maximilians Reportagenband aus Neugier in die Hand nehmen, werden sicherlich einiges über diesen unglaublich diversen Kontinent mitnehmen. Man kann für Afrika nur hoffen, dass westliche Journalisten sich weiterhin für die Belange unseres zweitgrößten Kontinents einsetzen, wie „schrecklich“ oder „schön“ diese auch sein mögen.

Margit Maximilian
Schrecklich schönes Afrika
Reportagen aus einem widersprüchlichen Kontinent
192 Seiten, 8 Seiten 4c-Fotos
Im Verlag Kremayr & Scheriau, 22€