Der American Way of Life einmal anders: “All American Muslim”

Screenshot der “All American Muslim” Webseite. Sender TLC

Und schon wieder schießt eine überflüssige Realityshow aus dem ertragreichen Boden der amerikanischen Fernsehlandschaft, möchte man auf den ersten Blick meinen. Doch in die Kategorie oberflächliche 08/15-Realityshow kann man „All American Muslims“ beim besten Willen nicht stecken. In der seit November ausgestrahlten Realityshow geht es nicht um hungernde Models oder partygeile Studenten – sondern um Muslime. Während christliche Fundamentalisten auf die Barrikaden gehen, da Muslime als „normale Mitmenschen“ dargestellt werden, macht der TV-Sender TLC mit der muslimischen Realityshow ordentlich Quote. Gazelle Autorin Dunja Ramdan hat sich die Serie für uns angesehen.

Es sind fünf vollkommen unterschiedliche Familien aus Dearborn im Bundesstaat Michigan, die für Furore im Land sorgen. Zweimal wöchentlich leben sie vor laufender Kamera ihren routinierten Alltag. Man versucht alles unter einen Hut zu bekommen: Kindererziehung, Job, Partnerschaft, Familie und: die Religion. Ersteres wirkt auf den ersten Blick ziemlich normal. Doch wenn auf einmal das Kopftuch getragen wird und vom „Ramadan“ gesprochen wird, dem islamischen Fastenmonat – ja dann, war’s das dann mit der Normalität? Nicht unbedingt. Die US-Realityshow zeigt unverblümt das vielfältige Gesicht des Islam und der Muslime. Man spricht zwar immer gern von „den Muslimen“, doch spätestens nach fünf Minuten merkt man: „Hey, die sind sich ja gar nicht so ähnlich!“

Nachtclub, Football und Fastenbrechen im Weißen Haus

Während die blondierte Karrierefrau Nina Bazzy-Aliahmed einen Nachtclub in Dearborn, in einem vorwiegend muslimisch-geprägten Vorort eröffnen möchte, kann sich das Fouad Zaban, ein ambitionierter Trainer einer Football-Mannschaft nur schwer vorstellen. Sein Lebensinhalt sind die Familie, der Job und die Religion. Bis zur letzten Minute zögert er zum Iftar, dem muslimischen Fastenbrechen, ins Weißen Haus zu gehen, nur um seine Jungs beim Training nicht im Stich zu lassen.

Doch nicht nur er gibt alles für seinen Job: Auch Polizist Mike Jaafar hat seinen Beruf aus Leidenschaft gewählt und leistet so Tag für Tag seinen Beitrag für die Gesellschaft. Während Suehaila Amen das Kopftuch trägt (in den modernsten Variationen und Farben), bevorzugt ihre Schwester Shadia Piercings und knappe Jeans. Das muslimische Partnerschaften auch auf Teamwork und Gleichberechtigung basieren können, zeigen die schwangere Therapeutin Nawal Aoudeun und ihr Ehemann Nader mit erfrischend-neckischen Diaolgen wie: „Nader ist ein kleines Riesenbaby. Ich wette er heult, wenn das Baby erstmal da ist.“ Und siehe da: er tut es auch! Gleichzeitig flüstert er dem Neugeborenen Nasem islamische Gebete ins Ohr. Mit viel Feingefühl und Abwechslung zeigt die Show, wie leicht Religion und Amerikanisch-Sein zusammen passen und dass es die unterschiedlichsten Weisen gibt, Religion zu leben.

 

Unmut gegen Realityshow „All American Muslim“

Doch hier scheiden sich die Geister. Vor allem eine christlich-evangelikale Gruppierung namens Florida Family Association bezeichnet die Show schlicht und einfach als „Propaganda“ und wirft ihr vor, die riskante Tatsache zu verschleiern, dass von einigen muslimischen Gläubigen eine “Gefahr für die amerikanische Freiheit und traditionelle Werte” ausgeht. Nachdem mehrere konservative Organisationen gegen die Realityshow protestierten, hat nun u.a. der Baumarkt-Riese Lowe‘s seine Werbeverträge gekündigt. Daraufhin hagelte es Vorwürfe von allen Seiten: Der kalifornische Senator Ted Lieu von den Demokraten bezeichnete diesen Schritt am Montag als „bigott, beschämend und un-amerikanisch“. Und auch US-Muslime kritisierten die Show: Das Format zeige lediglich eine Minderheit, aus dem Libanon stammende Schiiten.

 

Doch eines ist klar: All American Muslim erregt die Gemüter. Ob auf positive oder negative Art, die Aufmerksamkeit ist geweckt. Und das scheint bitter nötig: Angeblich haben 60 Prozent der US-Amerikaner überhaupt keinen Kontakt zu Muslimen. Laut einem Spiegel Artikel veröffentlichte das FBI erst Mitte November Statistiken, wonach fremdenfeindliche Verbrechen gegen Muslime 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gestiegen sind

Und wer weiß, vielleicht wird die eine oder andere Sympathie für den „bösen Muslim“ ja geweckt? Schwerfallen sollte das nicht.

Link zur TV-Webseite und Show: http://tlc.howstuffworks.com/tv/all-american-muslim