„Stress kann in Burn-out oder Depression münden“

Kristina Schlecht - Diplompsychologin aus Berlin

Von Filiz Keküllüoglu

Die Diplompsychologin Kristina Schlecht entwickelt Coachings zur Stressreduktion. Sie erklärt, wie Stress entsteht und wie man damit umgehen kann. Wenn man sich zu sehr belastet und die Signale des Körpers nicht wahrnimmt, kann der Übergang zu einem Burn-out oder einer Depression fließend erfolgen.

Wie entsteht Stress?

Einige Situationen können jeden von uns beanspruchen. Man wird bestimmten Anforderungen nicht gerecht – seien es berufliche oder private, informationelle oder emotionale. Die ständige Anpassung an wechselnde Rollen kann uns ebenfalls überlasten. Dabei geht es nicht um objektiv belastende Ereignisse, sondern vielmehr um die eigene Reaktion darauf. Den einen belastet beispielsweise ein Auftritt vor einem Publikum stark, den anderen lässt es kalt. Dafür ist es hilfreich, das eigene Stressmuster zu kennen und solche Situationen für sich zu erkennen.

 

Was sind die Symptome von Stress?

Stress äußert sich sehr individuell. Dabei muss man zwischen akutem und chronischem Stress unterscheiden. In einer akuten Situation spüren wir Herzrasen, der Mund wird trocken; wir schwitzen oder verspüren Magenschmerzen. Hormone spielen einfach verrückt. Wenn Stress in eine chronische Phase übergeht, kann er sich als starke Müdigkeit, Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen äußern.

 

Welche Folgen hat Stress?

Auch hier ist die Unterscheidung sehr wichtig. Akuter Stress kann sehr anregend und motivierend wirken, etwas in Angriff zu nehmen. Es ist evolutionär bedingt: In einer bedrohlichen Situation (oder Stress) wird Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet, der uns zum Handeln anregt. Oder wer kennt den Flow nicht? Man fühlt sich energiegeladen und kann so vieles schnell anpacken, was unter stressfreien Umständen nicht so gut klappt. Doch zu viel Stress kann zu chronischen Reaktionen führen, wie Erschöpfung und Lustlosigkeit. Schließlich kann chronischer Stress in Burn-out und Depression münden.

Auch auf der physiologischen Ebene wirkt sich chronischer Stress sehr negativ aus. Studien haben ergeben, dass die durch Stress entstandene Energie nicht abgebaut und das Immunsystem geschwächt wird. Das kann sogar zu Krebs führen. Die Ungleichheiten im vegetativen Nervensystem begünstigen weiterhin Infarktrisiko und wirken negativ auf den Magen-Darm-Trakt aus.

 

Wie ist Stress von einer Depression zu unterscheiden?

Grob kann man eine Depression als eine Folge dauerhafter Beanspruchung sehen. Doch nicht bei allen kommt es zu einer Depression. Bei der Entstehung depressiver Symptome reicht der Stress allein selten aus. Eine gewisse Sensibilität oder Vulnerabilität im wissenschaftlichen Jargon muss gegeben sein. Menschen, die diese Sensibilität in sich haben, sind mehr gefährdet, eine Depression zu bekommen. Beispielsweise hat eine pessimistische Weltsicht in ruhigen Zeiten vielleicht einen gewissen Charme. Doch wenn nicht alles rund läuft, verschlimmert der Pessimismus die Situation und versperrt einem die Möglichkeit, die Situation zu bewältigen. Was diese ausmacht, ist sehr individuell, das auf erlernte Reaktionsmuster und Einstellungen zurückzuführen ist.

 

Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit 4150 Beschäftigten ist nur jeder Siebte zufrieden mit seinem Job und ein Drittel bewertet seinen Arbeitsplatz sogar als „schlecht“. Welche Auswirkung hat die Unzufriedenheit mit dem Job auf das Wohlbefinden?

Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz und den Arbeitsprozessen kann zusätzlichen Stress verursachen. Manche Autoren bezeichnen diese Art der Unzufriedenheit sogar als erstes Anzeichen des Burn-outs. Und ein Burn-out wirkt sich bekanntlich sehr negativ auf unser Befinden aus. Wir sollten mit dem Begriff natürlich sehr vorsichtig umgehen, denn nicht jede kritische Phase im Leben ist krankhaft. Erst wenn man eigene Bedürfnisse stark vernachlässigt und kaum zur Erholung kommt, idealistische Vorstellungen von dem eigenen Job hat und letztendlich enttäuscht wird, dann hat Burn-out ein leichtes Spiel.

 

Wie unterscheidet sich Stress zwischen Männern und Frauen? In welchen Situation sind die einen und in welchen die anderen eher gestresst?

Stresserleben ist höchst subjektiv. Doch man konnte feststellen, dass sich Frauen eher schneller für emotional erschöpft bezeichnen als Männer. Dabei distanzieren sich Männer schneller von ihrem sozialen Umfeld, wenn der Stress sie überwältigt. Solche Tendenzen kann man allerdings auch an durch die gewohnte Rollenverteilung erklären: Frauen dürfen Emotionen zeigen, aber sollten weiterhin sozial verträglich bleiben, wobei bei Männern das Umgekehrte akzeptiert wird.

 

Welche Methoden gibt es, um mit Stress umzugehen?

Ein verbreitetes und bewährtes Vorgehen bei Stressbewältigung ist der Ressourcen-Ansatz. Man geht davon aus, dass der Mensch alle Lösungen und Ressourcen für den Umgang mit unerwarteten, tragischen oder lästigen Ereignissen bereits hat. Diese müssen nur systematisch aktiviert werden.

Wenn der Stress im überschaubaren Umfang unser Leben beeinflusst, kann Selbsthilfe noch sehr nützlich sein. Dafür sollte man mit der Selbstbeobachtung anfangen und eigene Stresssituationen und Reaktionen erkennen. Dafür sind niedrigschwellige Interventionsmaßnahmen sehr geeignet. Ihr Vorteil ist, dass sie für alle zugänglich sind. Um diese in Angriff zu nehmen, müssen keine großen Hürden überwunden werden – wie es der Fall bei einer Psychotherapie sein kann. Zu den typischen niedrigschwelligen Interventionen gehören Ratgeber, Selbsthilfe-Bücher oder internetbasierte Programme.

Online-Programm, wie zum Beispiel der HausMed Coach Stressfrei, sind insbesondere hilfreich für Personen, die in sich noch den Antrieb verspüren, alleine mit ihrem Stress umgehen zu können. Oft reicht es für sie, dass sie genau auf ihre Bedürfnisse angepasste Informationen und Hinweise erhalten und Übungen ausprobieren, die ihr Potenzial zum Stressmanagement fördern. Die Grundlage eines gezielten Stressmanagements bildet eine umfassende Stress-Analyse. Internetbasierte Coaches können durch gezielte Übungen einem dabei helfen, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wo liegen die Ursachen meiner Belastung? Wie kann ich mit dieser Belastung umgehen bzw. sie überwinden?

Bei fortgeschrittenen Stress-Stadien sind niedrigschwellige Maßnahmen in der Regel nicht ausreichend. Oft ist es notwendig, Empfehlungen vom Arzt einzuholen oder einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Bei Stress-Folgen wie Burn-out oder Depression ist bereits professionelle Hilfe erforderlich.

 

Weitere Infos:

Stressbewältigungsmaßnahmen: Coaching/Supervision oder Beratung in Lebenskrise
Selbsthilfe: Durch Online-Programme z.B. HausMed Coach Stressfrei
Literatur: “Stress im Beruf? Wenn schon, dann aber richtig!”
Psychotherapie: Therapeuten-Suche online: http://www.bptk.de/service/therapeutensuche.html

Comments

  1. web4health says:

    Ich erlebe auch immer häufiger, dass Daueralarmierung des Gehirns (der Amygdala) durch Stress einen Zustand erzeugt, der ähnlich wie eine komplexe Traumatisierung wirkt. Derartige Erlebnisse lassen sich nicht verlernen, da sie eher “erschreckt” als erlernt sind. Hier kann entweder Coaching oder aber Traumatherapie (EMDR, Emoflex) weit besser als viele Antidepressiva oder lange Tiefenpsychologie helfen.

Trackbacks

  1. Yogakurs sagt:

    Yogakurs…

    „Stress kann in Burn-out oder Depression münden“…