CD-Tipp: Der mit den Tauben rappt

PIGEON JOHN – DRAGON SLAYER CD

Von Mana Alia Mohammed

Mal ganz ehrlich: denkt man beim Künstlernamen “Pigeon John”, zu deutsch Tauben-John, nicht eher an einen vollbärtigen, alten Mann, als an einen gutaussehenden, jungen Rapper aus Los Angeles?

Tja, so kann man sich täuschen. Der kalifornische Rapper und Sänger Pigeon John macht derzeit mit seiner ersten Single “The Bomb” auf sich aufmerksam. Einer rockigen Nummer, die sofort in die Beine geht. Mit seiner Mischung aus Rap, Rock, Funk und Folk scheint er den Puls der Zeit getroffen zu haben. Das Verschwimmen der ehemals streng gezogenen Genregrenzen ist in der Musikwelt schon seit Längerem zu beobachten. Die Stadionrocker Linkin Park gönnten sich von Anfang an einen Rapper als vollwertiges Mitglied und mit Gnarls Barkley formten der ehemalige Rapper Cee Lo Green und Produzent Danger Mouse eine Band, die alle Stile auseinandernahmen, die ihnen vor die Nasen kamen.

Rappend im Café – Rappen im Cafe

Im legendären “Good Life” Cafe in Los Angeles sammelte der junge John Kenneth Dunkin alias Pigeon John erste Erfahrungen vor Publikum. An dem Ort, wo schon spätere Größen des West Coast Hip Hop wie Snoop Dogg, Kurupt oder die Gruppe The Pharcyde ihre neuesten Reime vortrugen, stellte er sich auf die Bühne – und kassierte alles: von Beifall über “please pass the mic” bis hin zu Buhrufen.

Obwohl er in den USA bereits vier Alben mit Titeln wie “Pigeon John is Dating Your Sister” oder “Pigeon John is Clueless” veröffentlicht hat, gilt er hier als Newcomer. Mit seinen Songs, die eine ebenso selbstverständliche Nähe zum Folkrock oder Funk aufweisen, wie zum Rap und Hip Hop, erzählt er alltägliche Geschichten. So etwa die des erfolglosen DJ Davey Rockit im gleichnamigen Song, der aus Tennessee nach Hollywood zieht, um berühmt zu werden. Dass er viel Humor und Selbstironie hat, zeigt Pigeon John auf “To Do List”, einer smooth gerappten Beichte, wie er sich vor den Aufgaben im Haushalt, die ihm seine Frau vor ihrer Abreise aufgetragen hat, erfolgreich drückt. “So Gangster” – man beachte die korrekte Schreibweise – handelt nicht etwa vom letzten Drive-by-Shooting, sondern davon, wie gut er sich fühlt. Ironisch rappt er da: “Okay now where is all the traffic, is someone tryin’ to clown me? Why do I feel phantastic, I’m used to things always going wrong.”

Die Songs auf “Dragon Slayer” überraschen durch ihre unkonventionelle und frische Art, denen man die vielzitierte kalifornische Lebensart anhört. Im Alleingang produzierte Pigeon John das gesamte Album und verzichtete dabei ganz bewusst auf Samples.

Momentan tourt Pigeon John durch Europa und zwischen den Tourstopps twittert er mit seinen Fans. Er schreibt, wie cool er Vanilla Ice findet (“Vanilla Ice was kinda hard when you think about it. White boy from Miami came out within 3 months he was with Madonna. Crack rock.”) oder postet ein Youtube -Video von Cab Calloway, dem legendären amerikanischen Jazzmusiker. Ganz klar, diesem Rapper braucht man nicht mit Klischees zu kommen!

Pigeon John ist im Herbst auch live in Deutschland:

24. September Hamburg, Reeperbahnfestival
02. November Frankfurt, Batschkapp
03. November München, Handa 39
04. November Berlin, Postbahnhof
05. November Köln, Luxor

Pigeon John – Dragon Slayer
Universal Music, 2011