In love with Maastrich

Von Sunya Baaroun

Fußgänerzone in Maastricht

Fußgänerzone in Maastricht

Wer oder was ist eigentlich Maastricht? – mag sich hierzulande manch einer fragen. Denn wenn man nicht grad an der deutsch-niederländischen Grenze oder im relativ nahliegenden Ruhrgebiet wohnt, sagt einem die Stadt nicht viel. Eigentlich eine Gräuel, denn gehört Maastricht doch zu den moast important european cities. Grund genug sich einmal näher mit Little Paris zu beschäftigen. So wird Maastricht von seinen Anwohnern nämlich liebevoll genannt. Zu Recht, erinnert die drittälteste Stadt der Niederlande doch vom Flair her stark an allseits bekannte Metropolen wie London, Rom oder Barcelona. Nur gemütlicher ist es, fast schon kuschelig. Logisch, Maastricht zählt schließlich „nur“ knapp 119.000 Einwohner. Maastricht lädt zum Heimischfühlen ein. Und genau das ist aller Wahrscheinlichkeit der Anreiz. Denn suchten in den vergangenen Jahren nicht nur vermehrt ausländische Studenten, sondern auch verhältnismäßig viele Touristen aus dem europäischen Ausland die Hauptstadt der Provinz Limburg auf. Vor allem aus Frankreich, Italien und Belgien stammen die Besucher. Die Deutschen hängen bisweilen etwas hinterher, wie uns ein Maastrichter Baarinhaber hinter vorgehaltener Hand lächelnd berichtet. Die meisten Urlauber würden derweilen noch aus südlichen Regionen stammen. Was in ist, wandert ja nun bekanntlich vom Süden gen Norden. Man dürfe es den Deutschen daher nicht übel nehmen, so der smarte Maastrichter weiter. Tatsache ist, dass Maastricht einfach trendy ist. Und genau deshalb, hat Gazelle die Stadt für ein Wochenende mal genauer unter die Lupe genommen.

Shopping Shopping Shopping

Gegen Samstagvormittag am Maastrichter Bahnhof angekommen, steuert man, wenn man sich aus der alten majestätischen Bahnhofshalle begibt, zunächst auf einen Trödelmarkt zu. Massenwahre ist hier fehl am Platz. Stattdessen Schmuck in allen Geschmacksrichtungen, gut erhaltene Lederhandtaschen und Dekobedarf in Hülle und Fülle. Den Flohmarkt findet man außer an regnerischen Tagen jeden Samstag vor. Am ersten Wochenende des Monats auch an beiden Tagen des Wochenendes. Dann ist nämlich verkaufsoffener Sonntag. Die kleinen Verkaufsstände hinter sich gelassen, eröffnet sich die wahre Innenstadt Maastricht. Die Straßen säumen sorgfältig restaurierte Altbauhäuser, in dessen Erdgeschoß sich meist Boutiquen oder Restaurants befinden.  Von überall her vernimmt man niederländische, englische und französische Gesprächsfetzen. Manchmal schleicht sich auch etwas deutsch ein. Wo man hin sieht, modisch gekleidete und gut gestimmte Menschen. Die Maastrichter an sich scheinen aus allem nur das Beste heraus gepickt zu haben. Eine Portion Heidelberger Intellekt, versetzt mit einem Hauch Münchener Schick. Um das ganze aufzulockern, eine ordentliche Priese  mediterrane Leichtigkeit anbei. Als Beispiel für die letztere Aufführung dienen die vielen Vespas auf den Straßen. Beinah hat man das Gefühl von einer Horde Sizilianer umgeben zu sein.

Eine Besonderheit der Innenstadt stellt die Rechtstraat dar,- eine kleine Gasse noch vorm Übergang der Maas, in welcher die Creme de la Creme der Geschäfte zu finden sind. Herrlich dekorierte Schaufenster und liebevoll aufbereitete Ladenschilder nehmen einen völlig ein. Weder weiß man,  welchen Laden man zuerst aufsuchen soll, noch, wo man sein Vermögen denn nun investieren soll.  Unbedingt sollte man aber einen Blick in die Butike Moda Ecetera werfen. Die Inhaberin Sabine Krans setzt auf Individualität und ethnobezogene Vielfalt. Viele fließende Stoffe, oft mit Stickereien besetzt, erinnern an ferne Völker. Priorität habe aber vor allem Qualität. Krans kauft überall ein. Wie zum Beispiel ihren Schmuck, der stammt von einer Amsterdamer Designerin, ansässig in New York.

Ein paar Häuslein weiter findet man Le Salonard. Hier gibt es Käse soweit der Blick reicht. Einzigartig aufgearbeitet ist der kleine Laden ein einziger Augenschmaus. Oder auch ein kleines Käsemuseum. Allen Erwartungen entgegen schneien hier Großteils junge Leute hinein. Man scheint wieder auf den Käse gekommen zu sein. Soviel zum Thema  -Back to the roots-.

Einen hohen Erkundungswert hat zudem der Laden Karavanserai.  Hier stauen sich außergewöhnliche und selten zu Gesicht bekommene Reichtümer. Insbesondere handgefertigte und teils sehr alte Textilen wie Schmuckstücke aus aller Herren Länder. Man hat den Eindruck, als versammle sich hier ein jeder Kontinent. Im besonderen Asien, Afrika und Lateinamerika. Wenn schon nicht zum kaufen, sollte man sich doch zumindest für ein paar Minuten an dem hier zu betrachteten Fundstücken im Geiste bereichern.

Hat man es dann aus den Läden herausgeschafft, beladen mit jeder Menge Tüten, lässt sich eigentlich immer noch nicht an eine Pause denken. Viel zu spannend ist das Straßengeschehen, viel zu bunt das Bild der Passanten. Die Gassen Maastrichts lassen nichts zu wünschen übrig. Und so bummelt man ein wenig hier und dort.

 

Lunch und Wellness

Gegen Mittag dann finden wir uns zum Lunch im Wyck ein. Ein kleines gemütliches Bistro. Look: leger,  im Stile Route 66. Kliente:  Studenten und shopping queens. Speisen: Hervorragend. Für wenig Geld gibt’s viel und vor allem Gutes auf den Teller. Sogar der Orangensaft ist frisch gepresst.

Mit vollen Taschen wird anschließend im Apple Park Hotel eingecheckt. Ein großer neumodischer quadratischer Bau, welcher es Einem an nichts fehlen lässt. Von dort aus geht es gleich zur Thermae 2000. Diese befindet sich zwar nicht im Kern Maastrichts, ist aber dennoch schnell und gut erreichbar.  Die Thermae 2000 trägt den Beinamen „World of Wellness“. Und genau das ist sie auch. Ein riesiger Komplex, eingebettet in  Grünanlagen. Von Sprudel- bis Thermalbädern, Saunen und Dampfbädern ist hier alles zu finden. Das Sahnehäubchen stellen die Massagen und Kosmetikbehandlungen dar. Die Kirsche auf der Torte: In der Thermae 2000 kann man selbst auf höchstem Niveau dinieren. Wie das ausschaut? Ganz einfach, eingemummelt in weiße Bademäntel, die zur Ausstattung der Therme gehören, sitzt man im leicht abgedunkelten und angewärmten Raum beisammen und lässt es sich gut gehen. Kerzenschein inklusive.

Von der Thermae 2000 zurück in die Innenstadt,  geht es ins hoch exklusive Restaurant Florian, welches zu den Les Tables- Restaurants gehört. Das Restaurant zeichnet sich durch zweierlei Dinge aus:  Fair gehandelte Lebensmittel, Verarbeitung regionaler Produkte und ein gehobener Service.  Zwar munden die ausgewählten Speisen bestens, schlagen sie doch aber auch entsprechend auf den Geldbeutel. Vom Restaurant aus heißt es daraufhin das Nachtleben Maastrichts zu erkunden. Bei der allmählich einkehrenden Dunkelheit lernt man die warm gelben Leuchtketten der Lokale schätzen, die für ein beeindruckendes schönes Ambiente sorgen. Am Ufer der Maas ist weißer Kieselsand gestreut, welcher die Nacht erhellt. Jung und alt ist an diesem Samstagabend hier draußen zu finden. Freudige Ausrufe, ob auf englisch, französisch oder sonst einer Sprache, ziehen sich entlang der an Florenz erinnernden Gassen.

 

Kultur pur

Am nächsten Tag treffen wir uns am Theater aan het Vrijthof mit Viviane Pinckaers, Fremdenführerin des VVV Maastrichts. Die gutgelaunte und sympathische Dame schafft es tatsächlich jede Menge Wissenswertes sowohl zeitlich kompakt, als auch interessant zu vermitteln.

Nach Amsterdam sei Maastricht die Stadt mit den meisten altertümlichen Monumenten. Die antiken Gebäude zu halten erwies sich irgendwann jedoch als sehr kostspielig. Als Lösung gedachte man eine Universität zu gründen. Die Strategie war die Folgende: Man beabsichtigte, all die alten Gemäuer als Universitätsräumlichkeiten zu nutzen, um diese (und vor allem deren Restaurierung) somit finanzieren zu können. Das Vorhaben klappte. Heute macht grad dies den besonderen Charme der Universität aus. Selbst das alte Kloster der Stadt wurde in ein naturhistorisches Museum umgewandelt. Allein der Anblick der äußeren, mit Blumen umrankten Gemäuer lädt zum träumen ein. Kein Stück künstlich wirkt das Museum. Ähnlich die Bibliothek, die einst Armenhaus und Krankenhaus war.

Ein besonderes Event sei in Maastricht unteranderem die TEFAF (The European Fine Art Fair), eine Kunstmesse, die in der Regel im März stattfindet. Kunstinteressierte aus aller Welt finden sich dann in Maastricht ein. Nicht selten sieht man zu diesen Zeiten auch so manchen Scheich durch die Gassen schlendern. Im Übrigen bewog es selbst Größen wie Karl Marx, Perioden ihres Lebens in Maastricht zu verbringen.

Auf unser Lob, dass beinah jeder Maastrichter zwischen deutsch, englisch und französisch zu switchen weiß, kommentiert Pinckaers:  Die Maastrichter sind das Fremde nun mal gewöhnt. Man sei halt international ausgerichtet, einfach, weil es der Maastrichter nicht anders kenne. Das spiegelt sich im vielem wieder: Der Sprache, dem offenen Wesenstyp der Menschen, wie sogar in ihren Namen. Die Stadt unterlag die Jahrhunderte lang so mancher Fremdherrschaft. Wie zum Beispiel den Spaniern. Auch heute tragen noch einige Maastrichter deshalb Nachnamen wie „da Costa“.

Ob also zum Studieren, nur für ein Wochenende oder ein längerer Erholungsurlaub,- das aufblühende Maastricht ist einen Besuch allemal wert.