Kinotipp: “Alles Koscher”

Von Dunja Ramadan

Ein Film von Josh Appignanesi

Was haben ein Mahmoud Nasir und ein Solly Shimshillewitz gemeinsam? – Sie sind ein und dieselbe Person! Ein Moslem mittleren Alters erfährt, dass er gebürtiger Jude ist. Ist die Thematik gewollt provozierend um mal wieder für extra Zündstoff zu sorgen? Weit gefehlt! Denn diese freche-leichte Slapstickkomödie ist ein Plädoyer für mehr Toleranz.

 

 

Mahmoud, ein muslimischer Familienvater, der lieber Popmusik als radikalen Predigern lauscht mit einer kleinen Tochter, die den ein oder anderen extremistischen Ausdruck aufschnappt, entdeckt in den Dokumenten seiner kürzlich verstorbenen Mutter seine Adoptionsurkunde. Doch damit nicht genug, denn er heißt nicht wie gewünscht Jamal sondern Solly – Solly Shimshillewitz. Er, der überzeugte, wenn auch nicht praktizierende Muslim soll gebürtiger Jude sein? Mahmoud alias Solly steht vor einer schweren Identitätskrise. Parallel dazu fleht ihn sein Sohn Rashid an, den Vorzeige-Muslim zu mimen, um den Segen seines radikalen Schwiegervaters in spe zu der Heirat mit seiner geliebten Uzma zu erhalten. Während Mahmoud also den fanatischen Prediger Arshad Al-Masri von seiner tiefen Religiosität überzeugen muss, bekommt er von dem Taxifahrer Lenny eine Art Crashkurs im Jüdisch-Sein um seinen schwerkranken, leiblichen Vater besuchen zu dürfen.

 

 

 

Senator Film

Alles Koscher /Senator Film

 

 

Und das Chaos beginnt

Der Spagat zwischen frommen Juden und frommen Muslim führt zu irrwitzigen Situationen, die tränenreiches Lachen mit anschließendem Bauchschmerz garantieren. Das Ende ist zwar etwas absurd, gleichzeitig jedoch sehr vielsagend. Vor allem Protagonist und Schauspieler Omar Djalili, der in England bereits ein mehrfach ausgezeichneter Comedian st und sogar eine eigene TV-Show hat, meistert seine Identitätskrise mit viel Humor, Mut und Toleranz. Sein „großes lustiges Gesicht“, wie Drehbuchautor Baddiel es liebevoll nennt. Seine große Nase, seine kleine stämmige Statur und sein bissiger Humor machen ihn zu einer perfekten Besetzung. Zu einem „muslimischen Homer Simpson: ein Jedermann, der zufällig Moslem ist und wiederum zufällig entdeckt, dass er Jude ist“, so Regisseur Appignanesi. Mit seinem Hang zum Fluchen, seiner Liebe zu Fußball und seiner sympathischen „Mackerart“ gewinnt die Figur an Authentizität – ja lässt einen die Tatsache welcher Religion er angehört nahezu vergessen und zeigt wie ähnlich man sich doch ist. So geht es in dem Film überwiegend um das Annehmen und Vermischen von Identitäten. „Kann man gleichzeitig Moslem und Chelsea-Anhänger sein?“, fragt Produzent Arvind Ethan David. Und Mahmoud zeigt, dass es sehr wohl geht. Weit entfernt von der üblichen Schwarzweißmalerei beim Thema Islam und Judentum, zeigt die Komödie „Alles koscher!“ ein buntes, verrücktes und teilweise absurdes Bild der beiden Religionsgemeinschaften.

 

„Über die Anhänger einer Religion kann man schon Späße machen“

Dabei werden nicht die Religionen an sich lächerlich gemacht, sondern lediglich die Anhänger der Religionen, betont Omid Djalili. „Meiner Meinung nach besteht die Grenze darin, dass man sich nicht über Religionsstifter lustig machen sollte, aber über die Anhänger einer Religion kann man schon Späße machen, schließlich sind das Menschen.“ So lernt man die Burkaträgerin Mouna kennen, die über Lady Gaga und die neuen Schuhe von Agness Deyn besser informiert scheint als so manche Klatschreporterin oder den amerikanischen Juden Lenny, der gerne über den Durst trinkt und sich nur allzu ausgelassen über seine eigene religiöse Gruppe lustig macht. Heikles Thema, wenn man bedenkt wie aufgeladen die Stimmung zwischen den zwei Religionen ist. Doch dazu kann Drehbuchautor David Baddiel nur sagen: „Ich denke, dass Menschen Berührungsängste beim Thema Ethnie und Religion haben, vor allem, wenn es um Moslems und Juden geht. Und wenn Menschen Angst haben, dann sollen sie eins tun: lachen!“ – und das gelingt der Komödie „Alles Koscher“ ohne jeden Zweifel.

Die Wortgefechte zwischen Mahmoud und Lenny protzen nur so vor gängigen Vorurteilen und werden dadurch komplett ins Lächerliche gezogen. Gerade in einer Zeit, in der der Fundamentalismus zunehmend an Aufmerksamkeit gewinnt bietet so ein Film eine erfrischende Auszeit und lässt den ein oder anderen die Thematik vielleicht aus einem distanzierterem und gelassenerem Blickwinkel betrachten. Regisseur Josh Appignanesi und Autor David Baddiel gelingt eine Slapstickkomödie von ethnischem Ausmaß, die es in einer Zeit voller Misstrauen und Vorurteilen schafft das Publikum gelassener in die Welt hinausspazieren zu lassen.

 

Trailer zum Film “Alles Koscher”: