Jenseits von Merkel alles beim Alten?

Bastienne Schulz / FU Berlin

Von Sarah Khayati

Eine neue Studie zeigt: Spitzenfrauen sind in den Medien deutlich unterrepräsentiert. Unsere Autorin war beim Pressetermin im Roten Rathaus in Berlin.

 

Renate Künast ärgert sich. Angela Merkel sei nun wirklich kein Beispiel für die gelungene Positionierung erfolgreicher Frauen in den Medien. „Seltsam geschlechtslos“ kommt der Grünen-Vorsitzenden die amtierende Bundeskanzlerin vor. Und überhaupt – bis auf die Dekolleté-Geschichte von Oslo ist da von Weiblichkeit einfach nicht zu sprechen. Trotzdem steht und fällt weibliche Medienpräsenz anscheinend mit genau jener Amtsträgerin. Eine neue Studie der FU Berlin und der Universität Lüneburg zur Wahrnehmung von Spitzenfrauen in den deutschen Medien zeigt: Wenn Frauen nicht grade die Regierungsführung der Bundesrepublik inne haben, kommen sie in den täglichen Meldungen so gut wie nicht vor.


Weibliche Führungskräfte stehen deutlich im Schatten der Männer

Knapp zwei Drittel aller Mediennennungen von Spitzenpolitikerinnen entfallen allein auf die Bundeskanzlerin. Insgesamt ist nicht einmal jede fünfte Person aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, über die berichtet wird, eine Frau. „Angela Merkel hat die Sichtbarkeit von Frauen in den Medien zwar verändert und wird als mächtigste Frau der Welt von allen Seiten bewundert“, erklärt Studienleiterin Prof. Dr. Margreth Lünenborg, „dennoch bleibt sie damit einsame Spitze. Traditionelle Geschlechterbilder dominieren die Presse. Als „Mutter“, „Powerfrau“ oder „Dame an der Seite von…“ stehen weibliche Führungspersönlichkeiten deutlich im Schatten ihrer männlichen Kollegen.“

 

Diskriminierungen und sexistische Abwertungen werden seltener

Kleine Fortschritte gibt es allerdings. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass sich das Bild von Spitzenfrauen in den Medien zumindest wandelt. Explizite Diskriminierung, sexistische Abwertung oder banalisierende Verniedlichungen finden sich in der Berichterstattung nur noch in seltenen Ausnahmen. Die Häufigkeit der Meldungen beeinflusst das aber trotzdem nicht. Entscheidend für die mediale Aufmerksamkeit ist nach wie vor das Geschlecht. Bei aller Modernisierung scheinen Macht und Männlichkeit untrennbar miteinander verbunden.

 

Mehr über die Studie:

www.spitzenfrauenindenmedien.de

www.stilbluete.com


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