“Ja, hallo erstmal” – Rüdiger Hoffmann im Interview

Von Mustafa Ucar

Rüdiger Hoffmann hilt als der Meister der Langsamkeit, hat die deutsche Sprache geprägt und kann sich mit Sicherheit rühmen, die längsten Kunstpausen innerhalb eines Monologs zu machen. Grund genug für Gazelle, ihn zum Interview zu bitten. Und zusätzlich verlosen wir auch noch 2×2 Karten für sein Berlin-Gastspiel am 30. Mai im Admiralspalast, im Rahmen seiner Tour “Obwohl…” Aber hallo!

Ja, hallo erstmal, Herr Hoffmann.
Ja, hallo.
Wie oft werden Sie auf der Straße so begrüßt?
Das kommt sehr oft vor, dass ich so begrüßt werde.
Können Sie das überhaupt noch hören?
Mich nervt es nicht. Es ist einfach mein Markenzeichen. Und es ist immer noch besser, als wenn die Leute „Arschloch“ zu mir sagen würden. Hellmuth Karasek hat ja mal gesagt, ich hätte mit dieser Floskel den deutschen Sprachgebrauch bereichert. Das war eine große Ehre für mich.
Wie kamen Sie auf die Idee mit dieser Floskel ?
Ursprünglich wollte ich damit die Zuschauer irritieren. Als ich vor 25 Jahren begann, Kabarett zu machen, kannten mich die Leute ja noch nicht so gut. Und dann habe ich angefangen zu sagen: „Ja, hallo erstmal. Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, aber ich bin so ein bisschen nervös. Wenn sie jetzt gemerkt haben, das ist jetzt doch nicht so das, was sie sich vorgestellt haben, könnte ich durchaus verstehen, dass sie sich für etwas anderes entscheiden.“ Das Publikum war zunächst schockiert. Aber sie haben dann verstanden, dass das schon zu meiner Nummer gehörte. Das war sehr lustig. Mit meinem großen Durchbruch bei RTL Samstag Nacht wurde die Formulierung endgültig zu meinem Kultspruch.
Sie gelten ja als „Entdecker der Langsamkeit“. Hat Ihr Bühnenprogramm mit Ihrem beschaulichen Herkunftsort Paderborn zu tun?
Das hat mit Sicherheit damit zu tun. Die Leute aus Ostwestfalen sind zurückhaltende Menschen, die genau beobachten, nicht zu viel reden und einen trockenen Humor besitzen.  Deshalb haben mich die alltäglichen Geschichten der Menschen schon immer sehr gereizt.
Sind Sie privat auch ein ruhiger Mensch?
Ich bin eher ein introvertierter Mensch.
Ist Humor harte Arbeit?
Es ist immer noch so, dass ich vor einem Programm sehr konzentriert bin. Ich bereite mich sehr genau vor. Ich meditiere und groove mich vorher schon ein. Das gebietet einfach der Respekt vor dem Publikum.
Sind Sie nervös vor einem Auftritt?
Ich habe Lampenfieber, ja. Das hat nicht nachgelassen in 25 Jahren. Das braucht man einfach vorher, um für das Programm konzentriert zu sein.
Gibt es bei einer Tour Stellen, wo Sie merken: „Dieser Gag funktioniert nicht so, wie ich mir das gedacht habe?“
Ja, das merkt man schon ziemlich am Anfang. Einen Gag, der nicht so gut ist, lässt man dann beim nächsten Mal weg. Und nach vier oder fünf Shows ist das Ding dann rund.

Wieso behandeln Sie so wenig politische Themen in Ihrem Programm?
Es gibt schon sehr viele Nummern von mir, die politisch sind. Allerdings auf eine andere Art politisch. Als irgendwann mal die Asylantenheime bei uns abbrannten, habe ich Jemanden gespielt, der in einem Schützenverein war und eine Selbsthilfegruppe gegen Ausländerfeindlichkeit gegründet hat. Ich schlüpfe immer in die Rolle des Opfers oder des Täters. Ich bin nicht derjenige, der mit erhobenem Zeigefinger auf die Situation aufmerksam macht.
Gucken Sie sich auch mal selbst im TV?
Ja, schon. Aber ich sitze dann nicht so selbstverliebt vor dem Fernseher, sondern achte darauf, ob die Kameraeinstellung richtig war und so.
Wer ist denn Ihr schärfster Kritiker?
Wenn ich ein neues Programm mache, spiele ich es zuerst meiner Frau vor.
Das heißt, Ihre Frau sitzt im Wohnzimmer und schaut Ihnen zu.
Genau. Sie sitzt da und ich spiele ihr das komplette Programm vor. Für mich ist es ein sehr gutes Training. Und wenn meine Frau hinterher Anmerkungen macht, dann sind die auch meistens zutreffend.
Färbt sich Ihr Bühnenprogramm eigentlich auch auf Ihr Privatleben ab? Kam es schon mal vor, dass Sie morgens aufgestanden sind und zu Ihrer Frau sagten: „Guten Morgen erstmal…“?
Das habe ich bestimmt schon mal gemacht.

 

Rüdiger Hoffmann geht mit seinem Programm “Obwohl…” auf Tour. Alle Termine unter unten stehendem Link. Die Gazelle verlost 2×2 Karten für seinen Auftritt im Admiralspalast in Berlin (30. Mai, 19 Uhr). Einfach eine Email mit dem Stichwort “Rüdiger Hoffmann” schreiben und an gewinn@gazelle-magazin.de senden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Viel Glück!