“Das ist integrationsfeindlich!”

Von Nimet Seker

“Merhaba. Burası Köln Radyosu”. Guten Tag, hier ist Radio Köln. Diesen Satz hören allabendlich pünktlich um 19.30 Uhr die ums Radio versammelten türkischen Familien in Deutschland. Doch jetzt erreicht uns die Nachricht, dass dieses deutschlandweit einzigartige Programm radikal gekürzt werden soll. Das Morgenprogramm zwischen 6.05 Uhr und 7.00 Uhr und die Sendung am Sonntagabend sollen wegfallen. Grund: Der WDR muss sparen.

Aber warum ausgerechnet bei Köln Radyosu?

24 Prozent der Türken in NRW hören täglich Köln Radyosu. Montag bis Freitag. Sonntags werden die Talksendungen “Çılgın” mit populärer Musik für die Jüngeren und “Cafe Alaturka” für die Diskussionsfreudigen gesendet. Schon mehrere Male waren die Telefonleitungen so verstopft von Höreranrufen, dass gar nichts mehr ging. An den Quoten kann es also nicht liegen. Dass das Geld knapper wird, mag man auch nicht so recht glauben.

“Burası Köln Radyosu.” Generationen von Deutsch-Türken sind mit diesem Satz aufgewachsen. Köln Radyosu sprach und spricht zu den Türken in ihrer Sprache, bringt Nachrichten aus der Türkei und Deutschland. Bis zu dem Zeitpunkt da das türkische Satellitenfernsehen die deutsch-türkischen Wohnzimmer erreichte, war Köln Radyosu die Informationsquelle für das Zielpublikum. Und trotz der Konkurrenz der übermächtigen TV-Sender aus der Türkei mit ihrem Unterhaltungsprogramm konnte Köln Radyosu seinen Status in Deutschland wahren und sogar ausbauen.

Köln Radyosu ist bis heute eine Marke geblieben unter den hier lebenden Türken. Köln Radsoyu erfüllt viele wichtige Funktionen: Es fördert vor allem die Integration. Viele der Moderatoren, die die deutsche und türkische Sprache perfekt beherrschen, sind Vorbild für die dritte und vierte Generation. Es spricht das deutsch-türkische Publikum Generationen übergreifend und Generationen verbindend an. Das kann man von den großen Öffentlich-Rechtlichen nicht behaupten.

Egal welche deutsche Zeitung man aufschlägt oder welchen Sender man einschaltet: Überall ist zu hören und zu lesen, die Türken mögen sich doch bitte integrieren. Doch wie soll das gehen, wenn die Politik ihnen falsche Signale schickt, wie bei der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts, wonach Türken nicht mehr gleichzeitig den deutschen und türkischen Pass besitzen dürfen? Und wie soll das gehen, wenn das einzige noch bleibende Medienangebot in ihrer Sprache, das sich eben nicht an der Türkei, sondern an Deutschland orientiert, nun radikalen Sparplänen zum Opfer fallen soll?

Man darf sich fragen, was anstelle des türkischen Programms gesendet werden soll. Eine gute Stunde lang ein heller Piepton? Das wird es nicht sein. Wiederholungen? Die will niemand hören. Nachrichten und Beiträge auf Deutsch? Die laufen auf Funkhaus Europa ohnehin schon und auch auf genügend anderen Sendern des WDR.

In NRW leben rund eine Million Türken. Sie sind auch Zahler von Rundfunkgebühren. Die Bedürfnisse dieser Menschen können nicht ignoriert werden. Das deutschsprachige Morgenprogramm wird sie weniger interessieren als die Sendungen von Köln Radyosu.

Es war schon ein großer Schock, dass “Radio Multikulti” in Berlin geschlossen wurde. Eine Kürzung der Sendezeiten von “Köln Radyosu” wäre ein weiterer Schock. Denn das wäre integrationsfeindlich.

www.funkhauseuropa.de/sendungen/koeln_radyosu/index.phtml