THEATER: Ayla, Alis Tochter

AYLA - Alis Tochter/Bild: Atze Musiktheater

AYLA - Alis Tochter/Bild: Atze Musiktheater

Von Sarah Khayati

Nicole Oders neueste Inszenierung im Berliner ATZE Musiktheater

Integration, Segregation, Parallelgesellschaft. Es gibt viele Namen, um die mehr oder minder vorhandene Eingliederung von Einwandern in die deutsche Mehrheitsgesellschaft zu bezeichnen. Das Stück Ayla, Alis Tochter, geschrieben von Thomas Sutter, widmet sich der Parallelexistenz von Einwanderern und ihren Familien und beschreibt einen kaum zu bewältigenden Spagat zwischen Kulturen, die scheinbar unterschiedlicher nicht sein könnten.


Ayla (Tanya Erartsin), jüngste Tochter eines türkischen Ehepaars, verliebt sich in ihren deutschen Mitschüler Jasper. Die Familie bemerkt zunächst nichts. Wird dann jedoch zunehmend misstrauischer und überträgt dem älteren Bruder, gespielt von Arabboy- Darsteller Hüseyin Ekici, die Aufgabe, ihr zu folgen und herauszufinden, was da genau vor sich geht. Die Situation eskaliert als die Beziehung publik wird. Ayla wird eingesperrt und im Zuge schnellster Wiederherstellung geordneter Verhältnisse ihrem Cousin Hassan versprochen. Die Erzählung endet in einer Tragödie.

Dabei entspricht Aylas Familie nicht dem gestrengen, radikal fundamentalistischen Islamklischee, das nun so leicht aufkommen könnte. Die 15jährige trifft sich wie ihre deutschen Freunde nach der Schule im Park, darf – wenn auch nach intensiver Überzeugungsarbeit – abends ausgehen und hat letztendlich in ihrem Vater (Sinan Al-Kuri), dem vermeintlich domestizierendem Patriarch, einen mildtätigen Verbündeten gegenüber ihrer eher konservativen Mutter (herausragend: Sascha Özlem Soydan). Es sind vielmehr die Umstände, der Druck äußerer Faktoren, welche den begrenzten Handlungsspielraum in diesem Fall vorgeben. Den hin- und hergerissenen Eltern bleibt keine Wahl, als der reaktionären Erwartungshaltung ihrer Gemeinde zu entsprechen, um üble Nachrede und gesellschaftliche Ächtung zu vermeiden.

Nicole Oder schafft ein Bühnenstück von dichter Atmosphäre und großem Charme. Unterstützt von musikalischen Elementen wie Live-Gesang und tänzerischen Choreographien, sowie pointierten, bisweilen herrlich bissigen, komödiantischen Szenen, erhält das Publikum unmittelbaren Zugang zu Werk und Geschichte und entwickelt schnell Sensibilität für die Emotionen und Konflikte ihrer Helden.

„Die Protagonisten versuchen ihren eigenen Weg zu finden zwischen Klischees, Traditionen, Konventionen und zwei Kulturen“, erzählt die Regisseurin, die sich auch schon im Drama „Arabboy“ mit der Gratwanderung zwischen Migration, Heimatwerdung und Identitätsbildung befasst hat. „Heraus gekommen ist ein Stück von möglichen und unmöglichen Begegnungen zwischen Menschen, in denen sich unser tägliches Zusammenleben widerspiegelt.“ Dem ist wenig hinzuzufügen.

Gazelle und das ATZE Musiktheater laden Sie herzlich zur Vorführung ein und verlosen daher 3×2 Karten für den 24. Januar 2010 oder den 27. Februar 2010. Schicken Sie uns einfach bis zum 21.01. eine Email an gewinn@gazelle-magazin.de . Betreff: AYLA. Mit Ihren Vor- und Nachnamen und Wunschtermin. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir wünschen viel Glück!


Webseite zum Stück Ayla:

www.atzeberlin.de/seiten/pressematerial/seiten/presse-ayla.php