Südafrika – Sunny Land

Foto: pixelio.de/Janine Grab-Bolliger

Foto: www.pixelio.de/Janine Grab-Bolliger

Von Ghassan Abid

 

Sun City ist Afrikas Abbild des US-amerikanischen Glücksspielparadieses Las Vegas, wo Großveranstaltungen wie der Miss World Contest, das Sun City Golfturnier und Konzerte mit Queen, Cher sowie Frank Sinatra stattfanden. Glückliche Menschen, atemberaubende Naturlandschaften, der Geruch von Reichtum und große Swimmingpools prägen im Dokumentarfilm „Sunny City“ das Image dieser (umstrittenen) touristischen Anlage.

 

Begleitet werden diese Sonnenseiten mit Archivmaterial aus TV und Radio. Doch die negativen Gesichtspunkte wurden zu Apartheidzeiten nie thematisiert. Diese Problematik greifen die Regisseure Aljoscha Weskott und Marietta Kesting auf. Hierbei bedienen sie sich dem Instrumentarium des Interviews von Schwarzen und Weißen bzw. von Südafrikanern und Ausländern.

 

Südafrika – für Weiße schön, für Schwarze nicht

Im Mittelpunkt der Befragungen steht Tatho Matabene, ein junger südafrikanischer Mann mit schwarzer Hautfarbe, der seine Freude dahingehend erläutert, dass heute jeder in Südafrika frei und gleich ist. Es wird verdeutlicht, dass für die Weißen Südafrika sehr schön sei, jedoch für die Schwarzen viele Einschränkungen und Diskriminierungen im Alltag auftreten. Die Miss Germany 1992 äußert im Film das Bewusstsein für die Probleme der Unterdrückten, hegt aber zugleich ihre Befürchtungen gegenüber den ANC-Mitgliedern des Freiheitskämpfers Nelson Mandela und übernahm somit die Propaganda der Rassisten, wie viele einstige Besucher von Sun City.

Das Apartheidregime wollte die schwarze Mehrheitsbevölkerung im Rahmen des Konzeptes der „Großen Apartheid“ aus dem Lande verdrängen, indem sogenannte Homelands in die Unabhängigkeit entlassen und nur durch Südafrika als eigene Nationen anerkannt wurden. Konsequenz war die Ausbürgerung von Schwarzen mit einer Abschiebung in die Homelands, das quasi „Ausland“ war. Das Homeland Bophuthatswana mit Sun City auf seinem Territorium, diente schließlich auch dem simplen Grundsatz der Rassentrennung „blacks ruled by whites“.

 

Gute Idee – dennoch ein Reinfall

Der Versuch das System der Apartheid mit Sun City zu erklären ist durchaus als gute Idee aufzufassen, jedoch erweist sich die Umsetzung dessen als Reinfall. Der Kontrast zwischen Sonnenseite und Schattenseite konnte nicht an den Zuschauer transportiert werden. Ebenfalls verliert man sich im Film permanent in monotonen und sehr oberflächlichen Erzählungen, die das Interesse an der Doku zunehmend abflauen lassen. Es ist anzumerken, dass Aljoscha Weskott und Marietta Kesting mit Sunny Land erstmalig auf internationaler Bühne als Regisseure auftreten und sich dementsprechend noch in der Experimentierphase befinden. Die für Analysen der Erinnerungskulturen in Afrika erprobte Kesting und der bisher als Darsteller aufgetretene Weskott werden die Erwartungen der Zuschauer nicht befriedigen können.

 

Blog des Autors:

2010sdafrika.wordpress.com