PERSÖNLICHKEIT: NAOMI SIMS (1948-2009)

Naomi Sims / Cover Life Magazine

Naomi Sims / Cover Life Magazine

Von Eleonora Roldán Mendìvil

Ein Portrait über eine Frau, die die Modewelt revolutionierte und ihr Engagement mit Geschäftssinn vereinte.

Naomi Ruth Sims wurde am 30. März 1948 in Oxford, Mississippi (USA) als jüngste von drei Schwestern geboren. Kurz nach ihrer Geburt trennten sich ihre Eltern. Sims Mutter wünschte sich eine bessere Schulbildung für ihre Töchter und zog mit ihnen nah Pittsburgh. Da die Mutter von Krankheiten gezeichnet war, wuchs Sims bei Pflegeeltern in einem verarmten von vorrangig Weißen bewohnten Bezirk von Pittsburgh auf. Ihren Vater lernte Sims nie kennen

Als Teenager kam sie mit einem Stipendium des Fashion Institute of Technology nach New York City. Gleichzeitig besuchte Sims Abendkurse in Psychologie an der New York University. Als ihre finanzielle Lage schwieriger wurde, nutzte sie ihre schlanke und hochgewachsene Erscheinung zum modeln. Ihre ersten Versuche sich bei bekannten Modelagenturen“ vorzustellen waren jedoch frustrierend, da man ihre Hautfarbe als “zu dunkel” für den Markt bewertete.

Sie beschloss ihre zukünftigen Aufträge selbst in die Hand zu nehmen und stellte sich direkt bei Modefotografen vor. Mit ihrer Zielstrebigkeit und ihrem Aussehen beeindruckte sie den Fotografen Gosta Peterson so sehr, dass er 1967 einwilligte sie für die Augustausgabe als Covermodel des Mode-Extraheftes der New York Times abzulichten. In der Branche galt dies als eine begehrte Referenz in der eigenen Modelmappe. Nach diesem Triumph fand sich Sims wieder am Anfang ihrer Karriere; als Model Fuß gefasst blieb trotz dieses großen Auftrags der große Erfolg aus. Sims sprach daher kurz darauf Wilhelmina Cooper an, einem Ex-Model welches gerade seine eigene Agentur aufbaute. Sie schlug vor Kopien ihres New York Times Extraheft-Covers mit Coopers Kontaktinfos an Agenturen zu schicken. Falls Sims tatsächlich Jobangebote bekäme, würde Cooper am Honorar beteiligt.

Die Rechnung ging auf. Binnen einem Jahr ermodelte sich Sims US$1000 pro Woche. Der nationale Durchbruch gelang ihr mit einem TV-Werbespot für die Modefirma AT&T. „Es hat mir mehr als alles andere geholfen, da es mein Gesicht zeigte. Nachdem es ausgestrahlt wurde wollte man mehr über mich wissen(…)“ so Sims 1968 im Ladies’ Home Journal. Ihr Auftreten – ob auf dem Laufsteg oder in Printmedien – und ihre Ausstrahlung inspirierten viele schwarze Frauen weltweit ihren Stolz und Ehrgeiz neu zu entdecken und auszuweiten.

Wenn auch einige Vorreiterinnen vor ihr, wie zum Beispiel Dorothea Towles Church, die in den Pariser Couture Shows der 50ger Jahren als Model glänzte, gelang es jedoch bis dato keinem so dunklen Model, so viel Aufmerksamkeit und professionelle Anerkennung zu gewinnen wie Sims.

Noch im zarten Teenage-Alter wurde Sims eines der erfolgreichsten schwarzen Models der späten 1960er und frühen 1970er Jahre. Die New York Times schrieb damals, dass ihr „Erscheinen als das erste schwarze Model auf dem Titelbild von Ladies’ Home Journal im November 1968 ein großartiger Moment der Black is Beautiful Bewegung“ war.

Sie schmückte Titelbilder diverser Mode und Boulevardmagazine (Life etc.) und machte sich sowohl in der Modewelt als auch in der afroamerikanischen Gemeinschaft einen nicht wegzudenkenden Namen.

 

Die beruflichen Stationen der Naomi Sims

Im Jahr 1972 interessierte sich auch Hollywood für die potentielle Schauspielerin. Man bot ihr die Hauptrolle in dem Film Cleopatra Jones an. Entsetzt über die rassistische Darstellung von Afroamerikanern wies sie die Rolle jedoch entschlossen zurück.

1973 beschloss Sims mit einem Cosmopolitancover aus der Modewelt und den dazu gehörigen Gerüchten um Beziehungen, Drogen etc. zurückzutreten und sich als Geschäfts- und Ehefrau zu versuchen. „(…)Menschen haben die Idee, dass Models dumm sind.“, sage sie eins in einem Interview und bewies der Welt das genaue Gegenteil.

Im gleichen Jahr heiratete sie den New Yorker Kunsthändler Michael Findlay. Kurz darauf kam ihr Sohn Robert zur Welt. Sims gründete ihre eigene Beauty-Firma, welche sich anfangs auf die Herstellung authentisch aussehender Perücken, nach der Beschaffenheit geglätteter schwarzer Haare konzentrierte. Erweitert wurde es um weitere Pflege- und Kosmetikprodukte für die schwarze Frau, bis sich das Unternehmen in einen multimillionen Riesen verwandelte. Sims schrieb mehrere Bücher zum Thema Schönheit, Gesundheit, Modeln und Erfolg, sowie eine Ratgeberkolumne für junge Mädchen im Right On Magazin. Als Geschäftsfrau und Autorin bereiste sie weiter die Welt, hielt Vorträge und Lesungen. Sie engagierte sich sozial, arbeitete mit jungen Drogensüchtigen oder Vietnamveteranen und sah ihre ethnische Zugehörigkeit als Chance auf Erfolg.

Privat wurde hre Ehe 1991 geschieden.

Am 1. August dieses Jahres verstarb Naomi Sims im Alter von 61 Jahren in Newark, New Jersey (USA) an Brustkrebs.

Naomi Sims war nicht nur das erste schwarze Supermodel, sondern zugleich eine Horizontöffnerin und Wegweiserin zur Überbrückung ethnischer Hürden. Ihr Leben und ihr Erfolg haben weltweit Frauen inspiriert und motiviert.