Kinotipp: Eine andere Familiengeschichte – Almanya

Von Homeira Heidary

Verliebte sich ein türkischer Mann in Anatolien in den 60er Jahren in eine Frau, konnte es durchaus passieren, dass er seine Angebetete entführte – nicht ganz zum Unwillen der Herzensdame. So konnte das Paar auch ohne Einwilligung der Brauteltern zusammenfinden. Diese überraschenden und auch lustigen Momente erzählt der neue Kinofilm „Almanya“ – Deutschland, der ab 10. März in unsere Kinos kommt.

Almanya/ Roxy Film
Almanya/ Roxy Film

Die Handlung dreht sich um eine Familie, die zur ersten Einwanderungswelle in Deutschland gehört, die aus der Türkei als Arbeitskräfte nach Deutschland gerufen wurden. Um ihr Leben und das der Dritten Generation geht es in den 97 Minuten.

Der Film bietet einen authentischen Blick hinter die türkische Fassade, die für viele hierzulande ohne Migrationserfahrung heute noch unbekannt ist. Die Samdereli-Schwestern, die die Drehbuchautoren sind, verstehen es ihre eigene Herkunftskultur auf die Schippe zu nehmen und ihre Erfahrungen so zu verpacken, dass es für Deutsche und Türken gleichermaßen lustig ist. Abseits von Ehrenmord und Unterdrückung der Frau wird eine andere, eine humorvolle, herzliche und sanfte Seite der größten Migrantengruppe in Deutschland gezeigt. Es werden nicht Probleme thematisiert, sondern positive Beispiele gezeigt, wie Integration schon bei der ersten Welle von Ausländern funktioniert hat – zwar sehr improvisiert, aber sehr gelungen.

 

Bitte mehr davon!

Wie zum Beispiel bei den ersten Einkaufsversuchen von Fatma oder dem ersten Heiligabend, der den Kindern zuliebe zelebriert wird. Fatma ist dieGroßmutter, die in jungen Jahren von Demet Gül und älter von Lilay Huser gespielt wird. Der erlebte Kulturschock ist groß, aber die Familie findet sich zurecht. Auch die deutsche Schwiegertochter Gabi (Petra Schmidt-Schaller), die mit dem jüngsten Sohn Ali (Denis Moschitto) verheiratet ist, findet sich in der türkischen Großfamilie mit all ihren Eigenheiten zurecht. Sie schätzt den Familienzusammenhalt und erfreut sich der kulinarischen Köstlichkeiten, die die Türkei zu bieten hat. Fast möchte der Zuschauer meinen, Gabi sei eine Türkin und ihr Ehemann Ali ein Deutscher. Er beherrscht kaum mehr seine Muttersprache und auch sein Magen rebelliert gegen die würzigen Speisen seiner Heimat. Wie zugehörig die erste Generation zu ihrem zweiten Zuhause fühlt, zeigt sich, als die Enkelin Canan (Aylin Tezel) ihrem Großvater (Vedat Erincin) beichtet, dass sie von ihrem englischen Freund schwanger ist. Seine Reaktion spricht Bände: „Warum kein Deutscher?“

 

Es menschelt sehr in diesem Film. Absolutheiten werden relativiert, wie zum Beispiel die dogmatische Jungfräulichkeit unverheirateter Frauen. Die erste Generation – die Großmutter Fatma -überrascht mit ihrem Geständnis, dass ihr Mann Hussein (Fahri Yardim) und sie sich schon vor der Ehe näher gekommen sind. Die Dritte Generation Canan – ist erleichtert, während die Zweite Generation, Canans Mutter Leyla (Siir Eloglu) ob der Unanständigkeit irritiert ist.

Es ist eine wahre Wonne den Film zu sehen. Endlich einmal hat sich ein deutscher Produzent getraut neue deutsche Geschichte erzählen zu lassen. Eine gelungene Kooperation. Bitte mehr davon!

 

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