Katastrophen-Laolas in Unterhaching

Lisa Fitz - Super Plus - Tanken & Beten

Lisa Fitz - Super Plus - Tanken & Beten

von Bettina Scriba

Lisa Fitz präsentierte ihr neues Programm „Super Plus! Tanken & Beten“ und nahm kein Blatt vor den Mund.

Haben Sie sich schon mal gefragt, was aus dem Ozonloch wurde? Lange nichts gehört, oder? Und was wurde aus Rinderwahnsinn, AIDS, dem Regenwald, der Vogelgrippe und Gammelfleisch? Hat das Ozonloch jetzt andere Öffnungszeiten? Lisa Fitz findet das alles beängstigend, doch das noch größere Problem sei, dass diese Katastrophen plötzlich wieder verschwinden. Und dass es einem den Spaß raube. Sieht man einen Baum an, denkt man ans Waldsterben. Steigt man ins Auto, denkt man an die hohen Spritpreise, beim Essen kommt einem das Gammelfleisch in den Sinn, und im Sommer macht man sich Sorgen ums Ozonloch. „Ich bin die Katastrophen-Laolas leid. Jede Woche eine neue Fürchterei“. Die Powerfrau hat es satt und rät, dass man sich bei jeder neuen Horrormeldung fragen sollte, wer davon profitiere: „Cui bono?“

Jeder bekommt an diesem Abend sein Fett weg. Nicht nur die Deutschen, von denen inzwischen jeder Zweite zu dick ist. Doch wie soll man mit der Wampe auf die Barrikaden gehen? Fitz bringt es auf den Punkt: „Der gesunde Menschenverstand ist verfettet und aufgeweicht“.

Die Männer werden durchs Fernsehen dauerstimuliert und Vati wird unruhig, wenn die Ostblockschlampen das Wohnzimmer überschwemmen. Das Dilemma Mann – Frau fasst die bayerische Kabarettistin so zusammen: „Mann will immer, kann nicht. Frau kann immer, will nicht.“ Und wenn die Alte eben nicht will, dann geht er zu Janine oder Leila. 14 Milliarden Euro geben die deutschen Männer jährlich im Rotlichtmilieu aus.

Mit bunter Gitarre, schwarzem Top, weißer Bluse und einer dunklen Hose, dessen Gürtelschnalle ein Totenkopf mit vielen funkelnden Steinen ziert, steht sie auf der Bühne und spricht und singt über die Zustände in der Welt. Den G8-Gipfel von 2007, allen durch die zahlreichen Demonstrationen und massiven Sicherheitsvorkehrungen bestens in Erinnerung, verlegt sie kurzerhand nach „Scheinheiligendamm“. Mit dabei: „Die sieben Zwerge und unser Schneewittchen“. Siemens, E.ON und die Telekom werden im Song „Prima Klima, Amigos“ abgewatscht.

Klimawandel, Outsourcing, Globalisierung, Armut, Religion und die Anti-Aging-Industrie, kein Thema lässt Lisa Fitz aus. Gewohnt sozialkritisch appelliert sie an die Zuschauer: „Du bist Deutschland – wehr’ dich!“. Denn: „Global gesehen läuft alles super, nur für uns nicht.“ Und sie fügt hinzu: „Mich wird es auch erwischen. Es wird chinesische Wanderkabarettisten geben.“

Vielleicht hilft es, Energie zu sparen? Der Mitmachsong des Abends heißt „Tanken und Beten“. Lisa Fitz schrieb ihn, als der Preis für einen Liter Diesel erstmals über EUR 1,50 kletterte. Die Männer im Saal stimmen beim Refrain mit ein und singen „Tanken und Beten“, worauf die Frauen ein schrilles „Für die Moneten“ erwidern. Atheisten dürfen auch indianische Regengesänge beisteuern. Lisa Fitz feuert ihr Publikum an: „Je lauter und grässlicher Sie singen, desto befreiender ist es!“.

Massenresignation wohin man auch blickt? Nein. Aber in einer negativen Stimmung möchte Lisa Fitz an diesem Abend auch nicht die Bühne verlassen, denn sonst gehen womöglich alle heim und bringen sich um. Für das Harmoniebedürfnis stimmt sie zum Abschluss noch ganz andere, sanfte Töne an: Den Song „Liebeszeit“. Schön war’s.

 

Die nächsten Auftritte von Lisa Fitz:

23.07.2009 in 35578 Wetzlar26.07.2009 in 83301 Traunreut 07.08.2009 in  85653 Aying08.08.2009 in 98646 Hildburghausen27. – 30.08.2009 in 50667 Köln 10.09.2009 in 63739 Aschaffenburg11.09.2009 in 64804 Dieburg13.09.2009 in 85663 Moosach14.09.2009 in 90762 Fürth