Jasmin Shakeri: „Ich will die Welt verändern!“

Jasmin Shakeri /Anne Wilk

Jasmin Shakeri /Anne Wilk

Von Sarah Khayati

Jasmin Shakeri gilt nicht nur als musikalischer Newcomer. Auch mit ihrem Frauenbild beschreitet die iranisch-stämmige Künstlerin neue Wege.

Es dauert nicht lange und einem wird klar: Jasmin Shakeri ist eine Ausnahmeerscheinung. Sie macht ihr ganz eigenes Ding. Und sich stark. Für Mädchen, Frauen, Minderheiten. Dafür, sich selbst treu zu bleiben. „Jeder trägt etwas Besonderes in sich, auch wenn niemand perfekt sein kann“ lauten ihr Motto und ihre Motivation.
Jasmin ist in Berlin Charlottenburg aufgewachsen. Früh entdeckt sie ihre Liebe zum Tanzen und zur Musik und widmet sich hingebungsvoll dem Ausbau ihrer Talente. Mit 18 merkt sie, dass ihr Tanz allein nicht ausreicht. Sie möchte nun mehr – ihre Gedanken und Emotionen auch sprachlich ausdrücken, und nimmt Gesangsunterricht.
Jasmin hat etwas mitzuteilen – und das tut sie fortan. Intelligent, klar und ungezwungen redet sie über Weiblichkeit, Selbstbewusstsein und Selbstzweifel, Liebe, Sex und Leidenschaft. In ihrem Internetblog beschreibt sie sich und ihre musikalischen Ziele: „eine Frau…, die sich nicht schämen muss, so zu sein wie sie ist, mit allen Gelüsten, Freakphasen, Schwächen und Macken (…) diese pure Weiblichkeit [möchte ich] nach außen transportieren und in dieser Darstellung ein paar verwandte Seelen treffen, die verstehen was ich sage, wenn ich schreie: Ich will die Welt verändern!“
Dass sie mit diesem starken Selbstbild,  ihren unverblümten und intimen Texten und Liedern wie „Spank dat Ass“ die Gemüter spaltet und auch schon einmal provoziert, ist ihr klar. Besonders in Bezug auf ihr orientalisches Elternhaus – die Familie stammt ursprünglich aus dem Iran – ist sie regelmäßig mit Klischees konfrontiert, die man in Deutschland oft mit Frauen aus islamischen Ländern verbindet: Darf die SO ETWAS singen? Umgekehrt machen es auch Teile der iranischen Gemeinde ihr nicht immer leicht. Auf Kommentare ihrer Videos bei You Tube wie ‚Du bist eine Schande für Iran’ reagiert die Künstlerin aufgeschlossen, aber nicht betroffen: „Mit der Aussage, dass ich eine Schande sei, kann ich einfach nichts anfangen. Da bekomme ich das Gefühl, dass jemand Langeweile gehabt hat, weil er mir etwas abspricht, was ich für selbstverständlich halte: Nämlich den freien Umgang mit Sexualität mit meinem Partner. Was soll denn daran schlimm sein?“ erklärt sie in einem Interview.
Jasmin ist sich ihrer Wurzeln sehr wohl bewusst und spielt mit ihrem Pseudonym ‚Perserkatze’ sogar gewollt darauf an. Das ist für sie aber kein Gegensatz zu ihrem Frauenbild – einer ganz und gar nicht domestizierten Rolle in der Gesellschaft. „Die Perserkatze vereint meine Herkunft und mein Verständnis von Weiblichkeit am Treffendsten. Selbstverständlich haben meine Eltern sehr stark mein Weltbild geprägt (…) Was gerne mal als Unterwürfigkeit interpretiert wird, ist für mich Selbstverständlichkeit bei der Hingabe einer leidenschaftlichen Liebe und einem hohen Level an gegenseitigem Vertrauen.“
Genau diese facettenreiche Mischung aus Wertschätzung und Reflektion ihrer Herkunft, aber ebenso Eigenwilligkeit und Bestimmtheit einer unabhängigen Frau machen Jasmin Shakeris Stärke aus. Der Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, Leichtigkeit und Anspruch gelingt ihr mühelos – als Tänzerin, Sängerin, Iranerin – Frau.

 

 

Das Debütalbum von Jasmin Shakeri erscheint über Warner Music.
Bisher veröffentlicht: 100 Takte, Who´s that girl? (Videos auf You Tube)