Im Portrait: Hiba al Kawas

Hiba Al Kawas

Hiba Al Kawas

Von Sahar Sarreshtehdari

Vom 20. März bis zum 7. April fand zum 7. Mal das Abu Dhabi Festival statt, eines der größten Klassik-Festivals der Welt. In diesem Jahr sollte ein Novum stattfinden: die libanesische Sängerin und Komponistin Hiba al Kawas war als Dirigentin angekündigt. Somit wäre al Kawas die erste Frau aus der arabischen Welt, der diese Ehre zugeteilt worden wäre. Das hat leider nicht geklappt, was uns natürlich nicht daran hindert, die Ausnahmekünstlerin einmal vorzustellen.

Hiba al Kawas wurde 1972 in Saida (Libanon) geboren und studierte dort klinische Psychologie. In ihrem weiterführenden Studium beschäftigte sie sich mit Operngesang und wurde dafür vom Lebanese National Higher Conservatory ausgezeichnet. Heute ist Hiba al Kawas ein Mitglied des Konservatoriums.

Ihre Liebe zur Musik führte sie auch nach Italien. Dort arbeitete sie lange und intensiv mit dem berühmten Tenor Carlo Bergonzi und dem Komponisten Maestro Franco Donatoni.
Hiba al Kawas singt vor allem über ihre Heimat, dem Libanon. Sie singt von der Furcht der Menschen während der Kriege, sie singt davon, wie schlimm es ist zu sehen, wie ihr Geburtsort vom Bürgerkrieg aufgefressen wird. Ihr bekanntestes Lied über den Libanon ist „areftu bayrut“ – ich habe Beirut gekannt. Die Tochter einer Syrerin und eines Saudi, die in Abu Dhabi mit einem Geschäftsmann aus Bahrein verheiratet ist, versucht mit ihren Liedern das Lebensgefühl der Libanesen wiederherzustellen und die Schönheit ihres Landes zu betonen.

Heute arbeitet Hiba al Kawas unter anderem als Dozentin an der Lebanese University, sie übernimmt die musikalische Leitung am Teachers´ Training College für Musik in Beirut, sie ist Mitglied des High National Committee of Music der UNESCO und zudem Mitglied des nationalen Kommitees für Wissenschaft, Erziehung und Kultur.

Das Abu Dhabi Festival wurde in diesem Jahr durch den tragischen Tod von Scheich Ahmed Bin Zayed Al Nahyan überschattet, dem Bruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Kalifa bin Zayed Al Nahyan. Während der dreitägigen Staatstrauer wurden auch Konzerte des Festivals gestrichen. Davon betroffen waren „Pictures Reframed“ von Leif Ove Andsnes und Robin Rhode sowie das Chopin-Konzert des chinesischen Pianisten Yundi Li.