Endometriose: Wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut verirren

Von Barbara Crombach

Alle Monate wieder… Johannas Unterleib krampft sich schmerzhaft zusammen, deutlich schmerzhafter als „normale“ Regelschmerzen. Vor gut einem Jahr hat Johanna die Diagnose „Endometriose“ erhalten.

Zuerst konnte Johanna mit dieser Diagnose gar nichts anfangen. Erst nach und nach lernte sie so viel wie möglich über diese chronische und vor allem schmerzhafte Erkrankung.

Endometriose ist eine gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut an der falschen Stelle. Endometrium ist der medizinische Name für die Gebärmutterschleimhaut und die Endung –ose (oder –osis) kommt aus dem Griechischen und bedeutet krankhaft oder krankhafter Zustand. Bei der Endometriose siedeln sich also verirrte Zellen der Gebärmutterschleimhaut irgendwo im Bauchraum an, zum Beispiel an den Eileitern oder den Eierstöcken. Es wurden aber auch schon Herde in der Lunge und ganz selten im Gehirn gefunden.

Während des Menstruationszyklus bauen sich diese Endometrium-Zellen zeitgleich mit der Gebärmutterschleimhaut auf und ab, was zu krampfhaften Schmerzen führen kann. Oft kommt es auch zu Zystenbildungen, da das Gewebe – genauso wie die Gebärmutterschleimhaut – bluten kann, wobei das Blut allerdings an manchen Stellen keinen natürlichen Abfluss besitzt.

Leider sind Regelschmerzen nicht die einzigen Symptome. Die Schmerzen hängen natürlich mit der Lokalisation der Endometrium-Zellen zusammen. Oft werden allgemeine Unterleibsschmerzen, Kreuzschmerzen und auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr beschrieben. Aber auch das Wasserlassen kann zur Qual werden. Insgesamt ist den Symptomen eines gemeinsam:

Sie sind zyklusabhängig und kurz vor der monatlichen Blutung am schlimmsten. Selbstverständlich gibt es viele Frauen, die praktisch keine Symptome haben. Das ist auch der Grund, warum über die Häufigkeit dieser Krankheit keine verlässlichen Aussagen gemacht werden kann. Die Angaben schwanken zwischen 5% bis 15%. Allerdings sollten sich Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch auch auf Endometriose hin untersuchen lassen. Laut medizinischer Fachliteratur, sind viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch von Endometriose betroffen.

Zu den Ursachen der Erkrankung gibt es verschiedene Theorien. Bei der Transplantationstheorie wird vermutet, dass Endometrium-Zellen zum Beispiel mit dem Blut- oder der Lymphflüssigkeit an den „falschen Ort“ transportiert werden und sich dort ansiedeln. Die Metaplasietheorie geht davon aus, dass sich schon vorhandenes Gewebe in Endometrium-Zellen umwandelt (Metaplasie). Die tatsächliche Entstehungsursache ist aber immer noch unklar. Allerdings sind familiäre Häufungen auffallend.

Da keine direkte Ursache der Endometriose bekannt ist, sind die Therapiemöglichkeiten so individuell wie die Betroffenen. Neben der klassischen Hormonbehandlungen und der operativen Entfernung der Wucherungen gibt es vielfältige alternative Ansätze. Die Betroffenen sollten sich eingehend von ihrem Gynäkologen oder ihrer Gynäkologin beraten lassen. Weitere Informationen bietet das Internet. Hier finden sich eine Menge an Informationen von Universitäten, Selbsthilfegruppen, Gesundheitsportalen und natürlich von vielen Frauenvereinen.

Auch Johanna hat sich durch unzählige Seiten geklickt und hat mittlerweile einen guten Weg gefunden, mit ihrer Krankheit zu leben.