Elysiums Tochter im Sumo-Ring Berlinerin dirigiert weltweit größte Aufführung von Beethovens Neunter in Tokio

Von Bettina Scriba

 

Als erste Frau und Europäerin wird am 22. Februar 2009 in Tokio die Berlinerin Kerstin Behnke am Dirigentenpult im Ryogoku-Sumo-Stadion die weltweit größte Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie leiten. In der zweigeteilten Sportarena erklingt dann vor mehreren Tausend Zuschauern die berühmte „Ode an die Freude“ aus dem Mund von 5000 Chorsängern.

Als erste Frau und Europäerin wird am 22. Februar 2009 in Tokio die Berlinerin Kerstin Behnke am Dirigentenpult im Ryogoku-Sumo-Stadion die weltweit größte Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie leiten. In der zweigeteilten Sportarena erklingt dann vor mehreren Tausend Zuschauern die berühmte „Ode an die Freude“ aus dem Mund von 5000 Chorsängern.

Das Konzert mit dem „Chor der 5000“ besitzt in Tokio eine langjährige Tradition. Bereits 1985 versammelten sich zum ersten Mal Sänger und Sängerinnen aus ganz Japan unter Federführung der Sumida Choral Society, um in der riesigen Sumo-Halle Beethovens letzte Sinfonie aufzuführen.

Bisher lag die musikalische Leitung dieses alljährlichen Tokioter Mega-Events bei einheimischen Dirigenten. Für die 25. Aufführung im Jahr 2009 wurde nun die deutsche Nachwuchsdirigentin Kerstin Behnke verpflichtet. Für Behnke kam das Angebot aus Japan überraschend: „Ich habe den japanischen Sumida-Chor 2008 bei meiner Aufführung von Beethovens Neunter in der Berliner Philharmonie kennengelernt. Die Einladung ist eine große Ehre für mich.“

Kerstin Behnke, die ihr Dirigierstudium an der Universität der Künste Berlin absolvierte, ist musikalische Leiterin des traditionsreichen Konzertchors Berliner Cappella und verschiedener Ensembles.

Obwohl der Umgang mit internationalen Musikern zu ihrem Alltag gehört, birgt die Leitung eines Chors aus mehreren Tausend Japanern aller Alters- und Professionalitätsstufen ungewohnte Herausforderungen: „Ich habe einen Proben-Leitfaden für die Chorleiter vor Ort nach Tokio geschickt. Damit können sich die Sänger genau auf die fremde Sprachmelodie des deutschen Textes
vorbereiten“, beschreibt Behnke ihre Vorbereitungen.

Die erste Großaufführung Beethovens Neunter anlässlich der Einweihung des Ryogoku Kokugikan (Sumo-Stadion) im Tokioer Stadteil Sumida löste einen regelrechten „Neunte-Boom“ aus. In der Folge gründeten sich zahlreiche Chöre aus Daiku („Neunte“)-Sängern, deren einziges Ziel die Teilnahme an Aufführungen des berühmten Werkes ist. Die Möglichkeit, in einem großen Konzert mit professionellem Orchester aufzutreten, lockt auch Laien an, die sich Melodien und Text mit Hilfe spezieller Karaoke-CDs ohne Noten- oder Deutschkenntnisse aneignen können.