“Die gemäßigten Muslime müssen mutiger für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten !”

"Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen."/ ©pixelio.de/MaryLove

"Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen."/ ©pixelio.de/MaryLove

Von Elisabeth Mariam Müller

Wir haben hier ein Grundgesetz, und dieses Gesetz ist kompatibel mit dem Islam! Gleichberechtigung von Mann und Frau, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden ist ein Gebot. Männer und Frauen zu separieren gehört nicht mehr in diese Zeit! Es sei denn, die Männer wollen wieder verlorenes Terrain gut machen und die Zeit zurück drehen.

In unserer aufgeklärten Zeit, gehören diese Anweisungen nicht mehr!

Muslime sind, ebenso wie die Christen an die 10 Gebote gebunden. Dort steht, “Man soll nicht begehren deines Nächsten Weib”. Legitim ist allerdings, dass eine Religion vor sexuellen Ausschweifungen warnt ,und sagt, das Ehebruch eine Sünde ist, aber die Schlussfolgerungen, die oft daraus gezogen werden , sind nicht mit der heutigen Zeit vereinbar.

Die gemäßigten Muslime müssen – unter Wahrung ihrer religiösen Identität – mutiger für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Für eine Staats- und Wirtschaftsordnung, die Talente entfesselt, statt sie zu lähmen.

Für wirkliche Religionsfreiheit – für einen Islam der Toleranz und des Fortschritts.
Die vielen Millionen hier lebende Muslime könnten dabei eine wichtige Rolle übernehmen.
Während unser Prophet, Friede und Heil auf ihn, gelebt hat, hat er nie die Frauen ausgeschlossen. Sie waren bei seinen Predigten dabei und haben inmitten der Gemeinde die Lehren des Gesandten gehört. Auch nach der Zeit, als Mohammed, Friede und Heil auf ihn, gestorben war, haben Frauen seine Lehren der Umma (Gemeinde) mitgeteilt. Hätte man es den Frauen nicht gestattet, wäre über ein Viertel des Islam nicht übermittelt worden.
Bis ins 16. Jahrhundert haben gelehrte Frauen, Männer und Frauen Unterricht erteilt und konnten sogar Fatwas (Urteile) aussprechen. siehe Artikel “Weibliche Gelehrte im Islam”Diese Separierung ist mit der Zeit gekommen, Männer haben vieles so ausgelegt, dass sie ihre Macht ausüben konnten. Dieses Phänomen ist in allen drei abrahamistischen Religionen zu erkennen.

Die gemäßigte Mehrheit der Muslime muss die faszinierende Botschaft des Propheten Mohammed, Friede und Heil auf ihn, in die Neuzeit übersetzen und die gesellschaftlichen Reformen fortsetzen, die dieser unter Einsatz seines Lebens begonnen hatte.
Sie muss den vorislamischen Ballast abwerfen, der die Renaissance der muslimischen Zivilisation behindert. Wir müssen eine Bildungselite schaffen, die die muslimische Welt erfolgreich ins dritte Jahrhundert führt.
Mohammed, Marktwirtschaft und Moderne passen sehr wohl zusammen. Er war kein Reaktionär und führte sein Volk nicht 1400 Jahre zurück, sondern nach vorne. Er war ein egalitärer Revolutionär, der den Mut hatte, die Fesseln der Traditionen zu sprengen.
Sein Islam war keine Religion des Stillstandes oder des Rückschrittes, sondern der Erneuerung und des Aufbruchs.
Diese Dynamik, die er uns vorgelebt hat sollten wir übernehmen und den Islam in unsere aufgeklärte Zeit holen, er kann uns vieles geben, wenn wir nur wollen.
Aber die Zeit zurück zu schrauben, dass ist wohl total verfehlt. In welche schlimmen Situationen drängt man die jungen Menschen, die hier groß geworden sind, und in welche Gewissensbisse. Die Gefahr ist so groß, dass sie sich vom Islam abwenden.

 

Gastautorin: Elisabeth Mariam Müller war 34 Jahre Mitglied des Rates der Stadt Niederkassel und sechs Jahre lang im Vorstand der DITIB-Moschee der Stadt Niederkassel. Heute ist sie Mitglied im Jugendhilfeausschuss der Stadt und arbeitet ehrenamtlich in Sachen Integration. Das Hauptanliegen ihrer Arbeit ist, Kindern und Jugendlichen besonders aus sozialschwachen Familien zu helfen, da sie heute sowohl in Kindergärten und Schulen benachteiligt werden. 2002 ist sie zum Islam übergetreten. Für sie ist der Islam eine moderne und fortschrittliche Religion. Seither setzt sie sich mit der Frage auseinander, warum zahlreiche Muslime Tradition und Religion vermischen und sich nicht trauen, ihre Religion in die heutige Zeit zu holen.