Der Vorleser – Ein Interview mit Hauptdarsteller David Kross

Von Tobias Render

„Ich hatte einfach Glück“

Dass David Kross Satz seine bisher unglaubliche Karriere mit diesem Satz beschreibt, ist eigentlich fast schon eine Frechheit. Dennoch kann man den Erfolg des 18-Jährigen aus Schleswig-Holstein auf andere Weise vielleicht kaum in Worte fassen. Außer vielleicht: Naturtalent. Mit 15 überzeugte er in „Knallhart“, nun in „Der Vorleser“, neben keiner geringeren als Oscar-Gewinnerin Kate Winslet. Mit ihm sprach Gazelle Autor Tobias Render.



© Senator

Wie war für dich die Premiere deines Films „Der Vorleser“ auf der Berlinale?
Unglaublich aufregend. Es war so toll, all die Leute, die ich während des Drehs kennen lernte, wieder zu sehen.

Was ist das überhaupt für ein Gefühl, als neuer Star am Kinohimmel zu gelten? Fühlt sich das alles nicht wie ein Traum an?
Soll ich ganz ehrlich sein? Ich hatte noch überhaupt keine Zeit, darüber nachzudenken. Das ist alles so verrückt. Ich hätte nie gedacht, dass ich dies alles erleben darf. Ich habe wirklich großes Glück, es ist alles so schön. Vor allem, dass ausgerechnet ich in so einem wichtigen Film mitwirken darf. Die Geschichte, die der Film erzählt, spielt ja in einer Zeit, die sehr wichtig ist für Deutschland. Deshalb bin ich ungemein gespannt, wie die Reaktionen des Kino-Publikums ausfallen werden.

Eine Rolle in so einem großen und großartig besetzten Film anzunehmen, ist ja schon eine Herausforderung. Oder?
Ja, sogar eine große Herausforderung. Ich habe mich auch die ganze Zeit über gefragt, ob ich das alles schaffe, ob ich dies und jenes jetzt richtig gemacht habe, oder falsch. Was kann ich besser machen? Diese Fragen kamen ständig in mir auf. Aber genau diese Zweifel treiben einen ja auch an. Sie sind ein Motor, der einem hilft.

Wie hoch war der Erfolgs-Druck für dich?
Ich habe versucht, mir eben keinen Druck zu machen. Und wenn doch Druck aufkam, nahm ihn mir Stephen Daldry (der Regisseur) wieder. Mit ihm verstand ich mich einfach großartig. Die Chemie zwischen uns war perfekt.

Wie hast du dich auf den Film vorbereitet?
Zunächst mal musste ich Englisch lernen. Denn mein Schulenglisch hätte für die Rolle niemals gereicht. In den letzten Monaten vor Dreh-Beginn habe ich auch versucht, nur englisch zu sprechen, um richtig in diese Sprache hineinzufinden. Ich hatte dafür einen extra Vocal-Coach, der mir beim Lernen geholfen hatte. Zudem habe ich auch eine ganze Menge Bücher gelesen. Einerseits um mich auf die Rolle des Studenten vorzubereiten, andererseits wollte ich auch viel mehr über die Zeit des Nationalsozialismus wissen. Klar, wir haben das Thema in der Schule durchgenommen. Aber das reichte mir nicht.

Gibt es familiäre Beziehungen zu dieser Zeit?
Ich habe nie mit meinen Großeltern über diese Zeit gesprochen. Aber meine Mutter meinte, sie konnte sehr mitfühlen, nachdem sie den Film gesehen hatte. Obwohl sie den Krieg gar nicht miterlebte.

Was bedeutet der Film für dich? Welche Botschaft bringt er für dich rüber?
Ich finde nicht, dass „der Vorleser“ ein Film mit einer Botschaft oder einer Aussage ist. In erster Linie erzählt er eine wundervolle Liebesgeschichte. Aber ich will trotzdem nicht, dass man den Streifen in eine Schublade steckt und abhakt. Ich will, dass die Leute darüber nachdenken und diskutieren.

Du hast schon deinen Sprach-Lehrer erwähnt. Hattest du den auch jemanden, der dir bei der Vorbereitung auf die Liebes-Szenen mit Kate Winslet half?
Oh, (lacht), da muss ich dir eine Geschichte erzählen. Am 01. April saß ich Abends am Set, da kam ein Kollege zu mir und meinte todernst: „David, wir haben einen Dialec-Coach organisiert. Der wird mit dir heute Abend nach Drehschluss im Hotel stöhnen üben.“ Ich habe das natürlich geglaubt und war zunächst entsetzt, dachte, spinnen die jetzt? Dann kam aber „April, April“. Nein, ich hatte niemand, mit dem ich mich explizit auf diese Szenen vorbereitet habe.

War es für dich eine Erleichterung, dass die Liebes-Szenen erst ganz zum Schluss gedreht wurden?
Teilweise. Auf der einen Seite war es einfacher, da ich dann schon das ganze Team sehr gut kannte, wir uns super verstanden und auch die Atmosphäre am Set einfach klasse war. Auf der anderen Seite dachte ich immer daran, dass dieser Dreh ja noch aussteht.

Wie haben denn deine Eltern auf die Szenen mit Kate reagiert?

Bisher hat nur meine Mutter den Film gesehen. Aber über die Sex-Szenen habe ich mit ihr nicht gesprochen.

Wenn du den Film siehst, wie gefällst du dir nackt?
Ich bin keiner, der jetzt vor dem Fernseher sitzt und sich selbst auf die Schulter klopft. Aber ich fand mich ganz okay.

Wie viele deiner Freunde haben dich denn schon um die erotischen Szenen mit Kate Winslet beneidet?
Ein paar auf jeden Fall. Aber wenn sie wüssten, wie es wirklich ist, diese Szenen zu spielen, wären sie wahrscheinlich nicht mehr neidisch. Sex im Fernsehen oder auf der Kino-Leinwand sieht immer so leicht und einfach aus. Aber vor allem ist es viel Arbeit.

Hast du dich während des Drehs mit so einem großen Hollywood-Star wie Kate Winslet eher kleiner oder weniger wichtig gefühlt, oder mit ihr auf Augenhöhe?

Weißt du, (David grinst) ich bin sogar ein bisschen größer als Kate. Das Gute an ihr ist einfach, sie ist so bodenständig, unglaublich lustig und nett. Sie hat eine total lockere Atmosphäre geschaffen und gab mir nie das Gefühl, sie ist der große Hollywood-Star und ich der kleine Junge aus Deutschland. Sie hat mich immer ernst genommen. Und ich sie natürlich auch.

Nun stehen die großen Hollywood-Agenten bestimmt Schlange bei dir, oder?

Nein, bis jetzt noch nicht. Aber ich hoffe, das kommt noch.

Wir bedanken uns für das Gespäch.

Gazelle verlost anlässlich des Films Der Vorleser, der ab dem 26. Februar in die deutschen Kinos kommt 2×2 Kinokarten und 5x die Literaturvorlage “Der Vorleser” aus dem Diogenes Verlag. Bitte senden Sie uns bis zum 06. März eine Email mit Ihrem Gewinnwunsch, vollständigen Namen und Adresse an gewinn@gazelle-magazin.de Betreff: Der Vorleser. Viel Glück!