„Ich habe nicht das Recht mich als ‘Botschafterin der Kulturen’ huldigen zu lassen“

Yasmin Levy /Prime Tours

Yasmin Levy /Prime Tours

Von Eleonora Roldán Mendívil

Yasmin Levy, Jahrgang 1975, ist eine israelische Sängerin mit sephardischen Wurzeln. Mit ihrem Debütalbum „Romance & Yasmin“ (2000) wurde sie für die BBC World Music Awards 2005 als bester Newcomer nominiert. 2005 erschien auch ihr zweites Album „La Judería“. 2008 kam das Album „Mano Suave“ auf dem Markt. Im Vorfeld ihres letzten Konzertes der „Mano-Suave-Tour“ in der Berliner Synagoge Rykestraße, sprachen wir mit Yasmin Levy –auf Spanisch- über ihren persönlichen Werdegang und ihrer einzigartigen Musik.

Frau Levy, Sie sind in Jerusalem geboren worden, und aufgewachsen sind Sie wo?

Ich habe mein ganzes Leben in Jerusalem gelebt. Meine Familie – meine Seele ist dort. Ich bin sozusagen ein alter Stein der Stadt. Jerusalem ist eine sehr traurige und komplizierte Stadt. Man hat das Gefühl, dass selbst die Steine vor lauter Trauer weinen. Natürlich ist sie auch wunderschön, nicht zuletzt wegen all den Kulturen und Religionen, die man dort antrifft.

 

Als sephardische Sängerin: Können Sie einschätzen welchen Einfluss die sephardische Musik und Kultur im israelischen Alltag heute haben?

Die sephardische Kultur und die damit einhergehenden Traditionen sind so gut wie ausgestorben. Weniger als 20.000 Menschen sprechen heutzutage aktiv Ladino oder Sefardí. Alles was uns bleibt ist die Erinnerung – und damit die Musik. Die jungen Menschen in Israel interessieren sich nicht mehr für ihre sephardischen Wurzeln. Der traditionelle a-chapella Gesang scheint ihnen veraltet und langweilig. Dies war auch für mich ein Grund unseren traditionellen Gesang mit Flamanco und orientalischer Musik neu zu erfinden. Es war sehr schwer mir diese musikalisch-kulturelle Anerkennung zu erarbeiten jedoch wollte ich eine neue Art finden, unsere fast ausgestorbene Kultur, mehr Menschen zugänglich zu machen. Mein neuer Weg wird von der konservativen sephardischen Gemeinde in Israel nicht sehr positiv aufgenommen, und das respektiere ich voll und ganz. Sie meinen ich würde die ursprüngliche „Reinheit“, der über 500 Jahre alten Liedern, verletzten wenn ich neue – vor allem orientalische – Töne dazu mische. Trotzdem muss ich nun mal meinen eigenen Pfad finden; und die Weiterentwicklung der Ladino-Musik ist ein Teil davon.

 

Und privat, hören Sie da gerne sephardische Kollegen musizieren oder doch ganz andere Musik?

Nein, von der sephardischen Musik mache ich ja selber genug. Das reicht mir dann – schließlich bin ich mit dieser Musik aufgewachsen. Ich habe vor 6 Jahren das Klavier spielen gelernt und liebe Klaviertöne. Jedoch höre ich auch viel Flamenco, Klassische Musik und auch Blues. Meine Leidenschaft ist jedoch die türkische Musik. Mein Vater kam ja selbst aus der Türkei und in diesen Rhythmen fühle ich mich aufgehoben; aufgehoben in der tiefen Traurigkeit der Lieder. Ich bin ein unwahrscheinlich glücklicher Mensch mit einer ungeheuren Traurigkeit in der Seele.


In der Presse wird stets Ihre Multikulturalität gepriesen, sehen Sie sich denn selber als eine Art Botschafterin der Kulturen oder spezifisch der sephardischen Kultur?

Ich habe nicht das Recht mich als „Botschafterin der Kulturen“ huldigen zu lassen. Nein, was ich lediglich mache ist Elemente verschiedener Kulturen zusammenzufügen und daraus eine neue Musikart zu erfinden. Die meisten Lieder, die ich singe, haben ihren Ursprung in Spanien des 15. Jahrhunderts. Mit der Vertreibung der Juden aus Spanien um 1492 wurden diese Lieder mit ihren Sängern auf eine lange Reise geschickt; über Marokko und der Türkei bis nach Jerusalem. Die sephardische Musik gewann an Melodien und Sangesarten. Es schmeichelt mir als Botschafterin der sephardischen Kultur zu gelten. „Botschafterin der Kulturen“ – nein. „Botschafterin der sephardischen Kultur“ – zusammen mit anderen Künstlerin – ok.

 

Außer der Erhaltung und Verbreitung der bedrohten sephardischen Kultur, sehen Sie in Ihrer Musik noch eine Aufgabe?

Durchaus. Ich arbeite stets mit muslimischen, christlichen und jüdischen Musikern zusammen und erreiche dadurch eine gewisse Multikulturalität in meiner Musik. Ganz klar sehe ich mich als Botschafterin des Friedens.

 

Wo und wie leben Sie heute Frau Levy?

Auch wenn ich gerade 2 Jahre um die Welt getourt bin, und gerade mein neues Album in Madrid aufgenommen habe, ist doch weiterhin mein Lebensmittelpunkt Jerusalem. Ich bin verheiratet und genieße es meine Familie um mich zu haben.

 

Vielen Dank für das interessante Interview Frau Levy.

 

Links:

Offizielle Webseite

www.yasminlevy.net

 

Programm Jüdische Kulturtage:

www.juedische-kulturtage.org