IM INTERVIEW – „Irgendjemand muss ja damit anfangen!“

Veye TatahAll die negativen Schlagzeilen über den afrikanischen Kontinent wurden der ehemaligen Studentin Veye Tatah zu viel. Also gründete sie einen Verein, der Positives über Afrika erzählen sollte. Über ihre Arbeit und Engagement hat sie mit Gazelle-Autorin Barbara Crombach gesprochen.

 

In den zwei Räumen von Africa Positive e.V. in der Rheinischen Straße in Dortmund stapelt sich Papier und Arbeit. Vor zwölf Jahren, also 1998, gründete Veye Tatah diesen Verein. Sie war es leid, nur negative Berichte über Afrika in den deutschen Medien zu hören und zu lesen. Dem wollte sie etwas entgegen setzen. Veye Tatah wollte den Deutschen auch von den schönen oder „normalen“ Seiten Afrikas berichten. Denn in Afrika gibt es 53 Länder, von denen nicht alle tagtäglich in Kriege oder Katastrophen verwickelt sind. Warum informiert niemand über die, fragte sie sich.

Frau Tatah selbst kommt aus Kamerun, aus dem Englisch sprechenden Nord-Westen des Westafrikanischen Landes. 1991 kam sie als Studentin nach Deutschland, wobei sie nicht prinzipiell nach Deutschland wollte. Sie wollte einfach im Ausland studieren und so wurde es eben Dortmund. Noch während ihres Informatikstudiums ärgerte sie sich über die ständige negative Darstellung ihres Heimatkontinents.

Veye Tatah bezeichnet sich selbst als Hobby-Journalistin

Und Veye Tatah ist keine Frau, die tatenlos zusieht. Also gründete sie den Verein Africa Positive e.V. und begann, ein gleichnamiges Magazin herauszugeben. Obwohl sie sich selbst nur als Hobby-Journalistin bezeichnet, hat die neueste Ausgabe immerhin 58 Seiten und sieht nicht aus wie eine Schülerzeitung der 90er Jahre. Doch das mussten sie und die anderen Ehrenamtlichen sich hart erarbeiten. „Lerning by doing“, erklärt sie. Nach und nach hat sie das Magazin aufgebaut. Anfangs war sie ja auch noch Studentin, wobei sie nebenher 20 Stunden pro Woche arbeiten musste, um ihr Studium überhaupt zu finanzieren. Es war schon sehr viel Arbeit für eine Person. Doch Veye Tatah versichert, es habe sich gelohnt.

Bis heute macht der Verein das Layout selbst. Frau Tatah erklärt zudem, sie habe keinen Marketing-Partner. Offensichtlich, denn im Magazin sind kaum Werbe-Anzeigen zu finden. Der Verein und das Magazin finanzieren sich durch Spenden und natürlich durch den unermüdlichen Einsatz der Ehrenamtlichen und der Vereinsmitglieder. Es melden sich ständig neue Freiwillige, die mitarbeiten wollen, berichtet Tatah. Zudem bekomme die Zeitung sehr viel an Material zugeschickt, teilweise sogar fertige Artikel mit Bildern. Dieser stetige Zuspruch zeige ihr, wie wichtig die Arbeit des Vereins sei.

 

In der Gesellschaft ankommen

Neben der Aufgabe, Afrika in einem besseren Licht zu präsentieren, hat der Verein Africa Positive e.V. auch das Ziel, die Integration von in Deutschland lebenden Afrikanern zu fördern. Hierfür gibt es seit 2008 auch das Afro-LIM, das „Afro Lern- und Integrationsmobil“, bei dem Kinder mit afrikanischer Herkunft kulturell und schulisch gefördert werden. Kinder, so Tatah, müssen auch sehen, dass Afrikaner im deutschen Alltag integriert sind. Sonst existiere ja keine Vorbildfunktion. Woran sollen sich Kinder also orientieren. Bei dem Afro LIM gibt es die Nachhilfe-Lehrer gleich im Tandem, das heißt, afrikanische und deutsche LehrerInnen arbeiten als Team und vermitteln so nicht nur den Lernstoff, sondern auch, dass AfrikanerInnen und Deutsche gleichberechtigt nebeneinander arbeiten und leben. Hier betont Frau Tatah, wie wichtig ihr Partizipation sei. Die Mehrheitsgesellschaft müsse sich öffnen, damit AusländerInnen am Alltag teilhaben können. Dies sei nicht nur für die Zuwanderer wichtig, sondern auch für die bestehende Kultur. Neben dieser schulischen Unterstützung hilft Afro LIM ferner auch bei Familienberatung oder begleitet zu Ämtern, Schulen oder Ärzten. Die AfrikanerInnen sollen hier in der Gesellschaft ankommen. Natürlich sei dies ein langwieriger Prozess und harte Arbeit. Doch Frau Tatah sieht das sehr pragmatisch: Irgendjemand muss ja damit anfangen!

Genau für diese unermüdliche Arbeit hat sie unlängst das Bundesverdienstkreuz am Band verliehen bekommen. Bei einer offiziellen Ehrung im Dortmunder Rathaus überreichte die Bürgermeisterin Birgit Jörder im Namen des Bundespräsidenten Horst Köhler diesen Verdienstorden. Eine Ehrung, über die sie sich sichtlich freut. Wobei sie ganz klar sagt, diese Auszeichnung sei ja nicht nur für sie. Denn sie alleine könne ja die ganze Arbeit gar nicht leisten. Der Verein und alle anderen Ehrenamtlichen würden mit diesem Verdienstkreuz genauso geehrt und für ihren Einsatz belohnt.

 

Link zu Africa Positve:

www.africa-positive.de