Buchbesprechung: “Was die Seele essen will”

Was die Seele essen willVon Barbara Crombach

Buchrezension mit Selbstversuch. Unsere Autorin Barbara Crombach hat das Buch ”Was die Seele essen will. Die Mood Cure” für Gazelle gelesen und Verschiedenes bereits ausprobiert.

 

Eigentlich ein nicht mehr ganz neues Buch kommt endlich in deutscher Übersetzung auf den deutschen Markt. Was die Seele essen will. Die Mood Cure von Julia Ross. Julia Ross ist eine Psychologin aus San Francisco, die seit den 1980er Jahren psychische Erkrankungen behandelt. In diesem Zusammenhang gilt sie auf dem in Deutschland wenig bekannten Gebiet der Ernährungspsychologie als Pionierin. Laut eigener Internetseite begann sie 1980 Ernährungsfachleute einzustellen, um die Zusammenhänge zwischen Biochemie, Emotionen und Abhängigkeit zu erforschen. Ross weist in ihrem Buch immer wieder darauf hin, dass sie durch jahrelange praktische Erfahrung überzeugt ist, schlechte Ernährung spiele eine entscheidende Rolle bei psychischen Fehlfunktionen.

 

Vier Schritte zum seelischen Gleichgewicht

Um die Behandlung von Depressionen, Ängsten, Abhängigkeiten, AD(H)S oder Antriebslosigkeit zu verbessern, begann Julia Ross Ernährungstherapie mit der üblichen Psychotherapie zu kombinieren. Bei der Ernährungstherapie richtet Ross ihr Augenmerk einerseits auf die Ernährungsumstellung und andererseits auf die zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Vor allem geht es ihr um Aminosäuren, die sowohl für die Körperfunktionen als auch für die Emotionen von entscheidender Bedeutung sind.

In ihrem schon 2002 veröffentlichten Buch Mood Cure beschreibt Julia Ross „vier Schritte zum Seelischen Gleichgewicht“. Im ersten Schritt geht sie auf die verschiedenen Stimmungslagen ein. Sie erklärt biochemische Zusammenhänge, zählt die verschiedenen Aminosäuren auf und erläutert deren unterschiedliche Aufgaben. Zudem erhalten die LeserInnen die Möglichkeit, anhand von „Stimmungstyp-Fragebögen“ den eigenen Stimmungstyp zu bestimmen. Im zweiten Schritt geht Ross dann auf die vier häufigsten Stimmungstypen ein, erklärt sie und zeigt, was bei der einzelnen Symptomatik hilft. Im dritten Schritt leitet sie die LeserInnen an, einen eigenen „Nährstoff-Therapie-Masterplan“ zusammenzustellen. Hierfür erläutert sie „Schlechte-Laune-Nahrung“ und verdeutlicht, wie „Gute-Laune-Nahrung“ Abhilfe schaffen kann. Dabei geht sie auch auf die möglichen Nahrungsmittelallergien ein, die den Betroffenen oft gar nicht bekannt sind. Abschließend befasst sie sich im vierten Schritt noch mit natürlichen Alternativen zum Beispiel zu Antidepressiva oder Schlaflosigkeit. Interessant ist auch der Anhang, indem Ross gezielte Informationen zur Schilddrüse, zu den Nebennieren und den Sexualhormonen erteilt. Aber auch allgemeine Infos zu Heißhunger und eine Liste mit „hilfreichen Links“ zu den Themen sind in diesen letzten Seiten zu finden.

Zwar hört sich das alles nach einem echten Wälzer an, ist aber auf den etwa 430 Seiten anschaulich geschrieben. Julia Ross verliert sich auch nicht in naturwissenschaftlichen Tiefen – alles ist in gut lesbarer Sprache erklärt.

 

*Der Selbstversuch*

Als ich dieses Buch, oder besser die Druckfahne, vergangenes Jahr von Klett-Cotta erhielt, erklärte ich mich zu diesem Selbstversuch bereit. Das Thema gesunde Ernährung fordert einen ja praktisch dazu auf. Nach eingehender Lektüre begannen sich aber bei mir die ersten Zweifel zu regen, zusätzliche Nahrungsergänzungen ganz ohne ärztliche Aufsicht einzunehmen. Diese ersten Zweifel verstärkten sich, nachdem ich erste Infos zu Tryptophan und 5-HTP aus dem Internet gesammelt hatte. Im Internet erwähnte Überdosierungen und dadurch provozierte Nebenwirkungen werden leider von Julia Ross nicht angesprochen. Glauben die LeserInnen Ross‘ Ausführungen, sagt uns der Körper schon Bescheid, wenn er eine Nahrungsergänzung nicht mehr benötigt. Naja, mein Körper sagt aber ebenso, er brauche Schokolade – das glaube ich ihm allerdings auch nicht immer.

Es gibt einiges an Literatur, die vor übereifriger Einnahme von Aminosäuren als Nahrungsergänzung warnen. Deutsche ApothekerInnen befragt, sprechen auch eine deutliche Sprache: bei Gesunden Menschen sollte ohne tatsächlichen Bedarf nicht einfach zu Aminosäuren gegriffen werden. Bei einer „normalen“, ausgewogenen Ernährung haben Europäer kaum Aminosäure-Mangel. Außerdem stellt sich die Frage, warum die eventuell fehlenden Aminosäuren nicht über die alltägliche Ernährung aufgenommen werden soll. Denn Nahrungsergänzungsmittel werden meist synthetisch hergestellt und somit ist die tatsächliche Verwertbarkeit im Körper nicht gewährleistet. Im schlimmsten Fall kann der Körper nur 50 % verwerten, leidet aber an 100 % der Nebenwirkungen wegen hoher Dosierung. Somit ist eine Ernährungsumstellung sicherlich die bessere Alternative.

 

„Gute-Laune-Rezepte“ machen Spaß

Hierfür bietet Julia Ross nicht nur interessante Anregungen sondern auch einige tolle „Gute-Laune-Rezepte“. Diesen Selbstversuch habe ich mit Begeisterung gemacht und fast alle Rezepte ausprobiert. Es gab mal leckeren Thunfisch-Kichererbsen-Salat oder Hüttenkäse-Pfannkuchen mit frischen Früchten. Außerdem gibt es wieder regelmäßig Fisch auf meinem Speiseplan. Mal mariniert im Ofen gebacken oder einfach in Olivenöl angebraten. Insgesamt tut mir die Ernährungsumstellung sehr gut. Abgenommen habe ich zwar nicht, aber ich fühle mich fit und gesund, trotz unseres extrem langen und verschneiten Winters.

Den Nahrungsergänzungspräparaten habe ich mich allerdings verweigert, nachdem ich mich mit der Apothekerin meines Vertrauens unterhalten habe. Die Tests am Anfang des Buches sind recht allgemein und mir für eine medizinische Aussage zu unspezifisch. Abgesehen davon, können Mangelerscheinungen im Körper durch Laboruntersuchungen klar diagnostiziert werden – eine Selbstdiagnose ist also gar nicht nötig.

Mein Fazit zur Mood Cure: Sehr viele Tipps und Informationen zur gesunden Ernährung, oder wie Julia Ross sagt, zur „Gute-Laune-Nahrung“ sind super. Vieles wissen eifrige LeserInnen der verschiedenen Gesundheits-Magazine natürlich schon, aber Ross bringt viele Ernährungs-Tipps auch in andere oder neue Zusammenhänge. Allein dadurch ist das Buch lesenswert. Zumal die Details auch verständlich und gut lesbar geschrieben sind. Für dieses Buch müssen die LeserInnen keinen Abschluss in Biochemie oder Physiologie haben.

 

Julia Ross: Was die Seele essen will. Die Mood Cure
Durch richtige Ernährung zum seelischen Gleichgewicht – in vier Schritten
Auflage: 1. Aufl. März 2010
432 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-608-94654-3
EUR [D] 24,90