WEIHNACHTEN AUF PERUANISCH

Von Eleonora Roldán Mendívil

Auch in meiner atheistischen Familie dreht sich am Ende des Jahres ALLES um die Weihnachtstage. Offensichtlich nicht aus religiösen sondern eher aus traditionell familiären Gründen. Zu Weihnachten findet die ganze Familie zusammen, man bekocht und beschenkt sich, singt deutsche Weihnachtslieder und sagt auf Spanisch Gedichte auf. Ein Erfahrungsbericht einer atheistischen peruanisch-deutschen Familie.

Dafür, dass Weihnachten ein christlicher Feiertag ist und ich durchgehend unchristlich, ja fast „heidnisch“ – lateinamerikanischer Aberglaube – erzogen wurde, legt meine Familie mütterlicherseits jährlich dann doch sehr großen Wert auf die Feiertage. Meine Angehörigen leben über ganz Deutschland verteilt, deshalb treffen wir uns immer bei jemand anders. In diesem Jahr feiern wir alle in Köln.

Am 24.12. wird meist den ganzen Tag lang – von Frauen und Männern gleichermaßen – peruanisch gekocht. In der Zeit können meist die Kinder den Weihnachtsbaum dekorieren, falls dies nicht schon Tage zuvor geschehen ist. Langsam, wie aus Zauberhand, tauchen mehr und mehr Geschenke unter der Tanne auf. Aus dem CD-Spieler klingen deutsche und peruanische Weihnachtslieder – Mal mehr, Mal weniger angenehm. Nachdem der Gänse- oder Putenbraten im Ofen ist fängt man an sich umzuziehen und den Tisch zu decken. Normalerweise ist es dann schon gegen 22 Uhr. Nach peruanischem Brauch dürfen die Geschenke erst ab Mitternacht geöffnet werden. Deswegen das späte Mahl.

Es gibt Braten (geheime Marinierung mit Orangensaft, Cola und meist Bier oder Wein) mit Apfelmus, Russischen Salat (abgewandelte Version mit Kartoffeln, Rote Beete, Erbsen und Mayonnaise) und weißem Basmati-Reis. Angestoßen wird mit Säften oder Wein. Der Zimtgeruch des Nachtisches strömt von der Küche ins Wohnzimmer. Es gibt heiße Schokolade mit geschmolzener peruanischer Schokolade und Zimtstangenstückchen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause sind die Geschenke dran. Aber so leicht macht meine Mutter es uns nicht: „Jeder muss mit geschlossenen Augen ein Geschenk heraussuchen und es an den Besitzer überreichen. Dieser muss dann entweder singen, ein Gedicht aufsagen oder ähnliches, bevor er sein erstes Geschenk aufmachen darf.“ So wird das Geschenke auspacken Jahr für Jahr zu einer großen Show. Nachdem die ersten kleinen Kinder eingeschlafen und die letzten Geschenke geöffnet sind, werden Schlafplätze verteilt. Die einen sind noch bis tief in die Nacht in Unterhaltungen verwickelt, die anderen schlafen schnell ein.

Bei uns ist Weihnachten ein soziales Ereignis. Wenn man jemanden kennt, der über Weihnachten allein ist, wird er eingeladen.

Mein Vater ist zwar kein großer Weihnachtsfan, feiert aber meine kleinen Geschwistern zuliebe auch mit. Schließlich bedeutet Weihnachten Wärme, Liebe und Geborgenheit – zumindest aus meiner Sicht und Erfahrung.

Wie meine christlichen oder muslimischen Freunde feiern weiß ich nicht so genau. Die meisten würden sich sowieso nicht mehr als wirklich religiös bezeichnen und kommen zu Weihnachten einfach mit ihren Familien zusammen oder nutzen die freien Tage zur Ausarbeitung von Essays, Forschungsdesigns, Hausarbeiten und Präsentationen für die Uni. Was tatsächlich von Familie zu Familie verschieden ist, ist das Essen welches zur Weihnachtszeit serviert wird. Ich glaube aber, dass es bei uns etwas bunter und verrückter zugeht – zu Weihnachten aber auch davor und danach. Und genau das macht Weihnachten für mich so wertvoll.