Honigkuss. Roman von Salwa Al Neimi

VON: MALIKA BOUZIANE

Sex, Erotik und Islam. Ein Widerspruch? Die aus Damaskus stammende Autorin Salwa Al Neimi zeigt in ihrem autobiographisch geschriebenen Buch, dass im ‚klassischen’ Islam die sexuelle Begierde, vor allem die einer Frau, als ein Geschenk Gottes gesehen wird. Die Hauptfigur des Romans arbeitet als Bibliothekarin in Damaskus bevor sie nach Paris geht und verschlingt die arabischen Erotikklassiker. Den gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt, hütet sie vorsichtig das Geheimnis ihrer sexuellen Eskapaden. Unter all ihren vielen Liebhabern, scheint es ihr vor allem der ‚Denker’ angetan zu haben. Immer wieder spricht die Hauptfigur von den heimlichen Treffen mit dem ‚Denker’. Mit ihm lebt sie die wollüstigen Beschreibungen der arabischen Erotikklassiker nach. Wenn man sie erwischt hätte, so berichtet die Hauptfigur, „dann würde mein Leben, mag es noch so lang sein, nicht reichen, um die Jahre der Strafe abzusitzen.“

 

Die Lektüre des Buches gibt dem Leser einen interessanten Einblick in die arabische Erotikliteratur und arabische Gesellschaft, die anders als die Klassiker Sexualität tabuisiert. Der Leser erfährt auch über interessante Fatwas wie die von Ayatolla Khomeini, der festgelegt hat, dass „Umarmen, Küssen, Beieinander liegen und andere Genüsse, bei denen es nicht zum Geschlechtsverkehr kommt, keine Unzucht sind.“

 

Allerdings verfängt sich die Autorin an manchen Stellen zu sehr in Beschreibungen, so dass einzelne Passagen monoton wirken. Der Roman hat keine Handlungsstruktur, sondern gibt unterschiedliche Lebensphasen der Autorin wieder.

 

Das Buch wurde erstmals 2007 in Beirut veröffentlicht, wo es für Furore gesorgt hat. Denn eine arabische Frau, die über ihr Sexualleben und ihre Fantasien berichtet und von sich behauptet begierig nach Männern und Sex zu sein, ist mehr als eine Ausnahme in der Arabischen Welt.