Cooler Untergang mit tiefen Einblicken – “MS Romantik”

MS Romantik (c) der Hörverlag

MS Romantik (c) der Hörverlag

Von Bettina Scriba

Annette Frier und Jan Weiler performten ihr Live-Hörspiel „MS Romantik“ am 14. Mai 2009 im Schloss in München.

Die MS Romantik sinkt, es gibt nur zwei Überlebende – und die müssen sich auch noch ein Rettungsboot teilen! Was sich furchtbar dramatisch anhört, wird ein riesiger Spaß fürs Publikum.

Ganz still war es zu Beginn der Vorstellung. Der Geräuschemacher Jörg Klinkenberg simulierte Meeresrauschen, Wellen, Wind, Holz, Möwen und das Quietschen von Scharnieren. Schon das war lustig und vor allem interessant anzusehen. So wird der Hörer in Hörbüchern also geblendet. Toll.

Doch dann ging es gleich richtig herzergreifend und tragisch weiter. Karin Krämers ist Gästebetreuerin auf der MS Romantik. Eigentlich wollte sie gar nicht mehr an Bord des Kreuzfahrtschiffes gehen, sprang aber für eine schwangere Kollegin ein. Nun sitzt sie mitten im Schlamassel. Da schafft es ein Passagier gerade noch rechtzeitig vorm Ertrinken zu ihr ins Boot. Aber, welch Graus, es ist der Widerling aus Kabine 1245.

Was nun folgt, könnte die Realität nicht treffender wiedergeben. Sie ist hysterisch und dreht ihm die Worte im Mund herum. Er ist zynisch und träumt von seinem Schreibtisch, an dem er viel lieber Risikomanagement betreiben würde. Und sein Blackberry mit 800 Kontakten ist auch noch futsch! Es wird kein Klischee außer Acht gelassen. Da fallen schon mal so nette Sätze wie „Tränen sind die Landminen der Emanzipation“. Der Schlagabtausch wird zum typischen Mann-Frau-Gespräch. Teile davon hat sicherlich jeder schon mal hautnah in der eigenen Beziehung erlebt.

Karin fragt sich: Was ist schlimmer: Der Untergang eines Kreuzfahrtschiffes oder eine Stunde Uwe Helstieg? Und Uwe fragt sich das Gleiche: Was ist schlimmer: Der Untergang eine Kreuzfahrtschiffes oder eine Stunde mit Karin Krämers?

Doch zu zweit auf hoher See und in einer ausweglosen Situation ist nicht nur die psychologische Deutung des Gegenübers und seiner Vergangenheit möglich. Wenn es nur nicht so verdammt kalt wäre…

Der Geschlechterkampf auf hoher See überrascht mit einem fulminanten, überraschenden Finale. Das Publikum war zu Recht begeistert.

Auf der Bühne überzeugten die Kabarettistin und Schauspielerin Annette Frier, bekannt aus „Switch“, der „Wochenshow“ und „Alles außer Sex“, sowie Jan Weiler, Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München, von 2000 bis 2005 Chefredakteur des SZ-Magazins und Autor von zahlreichen Büchern und der stern-Kolumne „Mein Leben als Mensch“.

Wer einen der sieben Livetermine im Mai verpasst hat, kann sich mit dem Hörbuch trösten, das im Hörverlag erschienen ist. Das ist sicherlich genauso genial und unterhaltsam.

 

Links: http://www.randomhouse.de/hoerverlag/