Mercedes Benz Fashionweek 1. – 4. Juli 2009

Fashion Week BerlinLetzte Woche war es wieder soweit – Mercedes Benz Fashion Week in Berlin –  ich bin immer noch nicht ganz akklimatisiert. Neben einschlägigen Kandidaten wie Minu Barati Fischer, Heike Makatsch, Julia Stegner und Matthias Schweighöfer, durfte also auch ich mich ins Getümmel stürzen und ein bisschen exklusives VIP-Feeling geniessen. (Naja, halt immer etwa aus Reihe 4 -17, aber immerhin) Los ging es am Dienstagabend mit der Eröffnung der Modemesse Bread & Butter in der Berliner Columbiahalle. Dem Unwetter, das draußen tobte, nicht wirklich entkommen, fieberten wir also nass und vom Rennen verschwitzt dem Auftritt von Mando Diao entgegen. Derart zugerichtet habe ich mich aber nur ganz kurz fehl am Platz gefühlt. Letztendlich fand ich meine Aufmachung bzw. meinen Zustand dann doch sehr authentisch für ein Rockkonzert.

Weiter ging es am nächsten Morgen mit der Marcel Ostertag Show. Nach dem Sieg beim Karstadt New Generation Award 2008 zeigte er bereits zum dritten Mal seine Entwürfe im Zelt am Bebelplatz. Der Designer widmete sich in seiner Kollektion Spring/ Sommer 2010 „Der Natur. Strukturen und Farben, Mixturen von Gesteinen und Licht“ Das gefiel ganz gut – und mir besonders ein nachtblaues Seidenhosen-Fransenoberteil Ensemble (oder waren es Federn? Ich saß wohl einfach doch zu weit hinten).

Wer dann – wie meine Wenigkeit – erst wieder Tickets für eine der späteren Shows hatte, konnte sich die Zeit hervorragend mit dem Besuch einer der vielen frei zugänglichen Veranstaltungen rund um die Fashion Week vertreiben. Beispielsweise der Berliner Showroom Meile im Peek & Cloppenburg am Kudamm, dem GREENshowroom im Hotel Adlon, oder dem vierten ‚Wedding Dress’ Modefestival mit Streetstyle-Show und Designern wie Comtesse de la Haye oder Kilian Kerner. Letzterer entwirft seit Neuestem übrigens auch im Team mit oben genanntem Herrn Schweighöfer, MTV VJ Joko Winterscheidt und Sebastian Radlmeier Shirts unter dem Namen ‚German Garment’.

Pünktlich zurück zur 18 Uhr Show von Patrick Mohr stellte sich heraus, dass der vorbildliche Fachbesucher sich vor dem Beiwohnen einer Präsentation vielleicht auch mal ein wenig ausführlicher mit dem Konzept hinter dem Design beschäftigen sollte. Ich hatte mich zwar im Internet mit Mohr, seiner Biografie und Philosophie vertraut gemacht, war dann aber doch höchst irritiert, als mein Freund Agoe mir vor Showbeginn ein Exemplar des ‚Strassenfegers’ in die Hand drückte, welches er am Eingang erhalten hatte. Aufklärung erhielt ich, sobald die ersten Models den Laufsteg betraten: Statt den gewohnten Laufsteg-Elfen schritten von der Straße gecastete Obdachlose in den avantgardistischen Kreationen des ehemaligen Henrik Vibskov Schülers über den Catwalk. Das konnte man am Ende finden wie man wollte (fehl am Platz oder spannender konstruktivistischer Ansatz), Aufmerksamkeit und PR waren dem Designer sicher.

Im Anschluss ging es zum evian-Empfang im Weekend. Als bekennender Couch-Potatoe – Schande über mein Haupt – war ich zum ersten Mal in dem Club am Alex und daher angemessen überwältigt vom atemberaubenden Ausblick, den man von der Dachterrasse im 16. Stock aus genießen konnte. Spätabends zog es uns zur Reebok Party in die Villa in der Landsberger Allee. Ich würde sagen, so lässt sich ein Schuh doch angemessen feiern…

Lala Berlin 2009

Lala Berlin 2009

Donnerstagnachmittag dann eines meiner persönlichen Fashion Week Highlights: Die Show des Labels LaLa Berlin. Ich liebe die Entwürfe der iranischstämmigen Designerin Leyla Piedayesh inniglich und lege seit nunmehr zwei Jahren jeden zu entbehrenden Cent für den Erwerb eines ihrer berühmten Cashmere-Tücher zurück. Frau Piedayesh enttäuschte in keiner Hinsicht – ich hätte jedes der in Schwarz, Pink und Nudetönen gehaltenen Kollektionsteile vom Fleck weg in meinen Kleiderschrank integrieren können. Die traurige Tatsache, dass ich weder Karten für die nachfolgende Strenesse-Show, noch Custo Barcelona oder Boss Orange ergattern konnte, feierte ich am Abend einfach auf der Puma-Party am Tauentzien und dem Premium & Friends Event der gleichnamigen Modemesse weg. Mit Cranberrysaft und Grillwürsten trotzten wir unverwüstlich dem immer wieder einsetzenden Platzregen.

Leider hielt sich das Wetter auch in den nächsten Tagen nicht wirklich – entweder war es unerträglich schwül oder löste sich die angestaute Hitze in Gewitter- und Regenstürmen auf. Klimatechnisch für alles bereit und nahezu ‚profi-globetrottermäßig’ ausgerüstet, besuchte ich am Freitag die Bread & Butter auf dem historischen Gelände des Flughafens Tempelhof. Leider ein bisschen zu spät, der Abbau war schon in vollem Gange. Liebend gerne hätte ich mir für nationale und internationale Aussteller wie Moschino, Modström, Zoo York oder Lee etwas mehr Zeit genommen. Michalsky um 21 Uhr im Friedrichstadtpalast war für mich ebenso wie die größeren Shows am Vorabend bedauerlicherweise nicht zu realisieren. Also bin ich zu Hause geblieben, um dem krönenden Abschluss meiner Fashion Week Woche am nächsten Tag entgegenzufiebern: ‚Bridal Couture’ des Berliner Labels Kaviar Gauche.

Bevor mich Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl allerdings überzeugten, wenn überhaupt, dann nur in ihrem Design zu heiraten, machte ich mich Samstag aber noch auf den Weg ins Hotel de Rome zur Pressekonferenz des vom Goethe Institut initiierten Createurope: The Fashion Award. Der alljährlich stattfindende Wettbewerb für Jungdesigner wurde diesmal um Bewerber aus Nordafrika und dem mittleren Osten ausgeweitet. Die diesjährigen Finalisten stammen unter anderem aus Bulgarien, Spanien, Marokko und Israel. Neben der großartigen Architektur der Location beeindruckte mich vor allem die ungekünstelte und offene Art Dirk Schönbergers, verantwortlich für das Design des Modelabels JOOP! und Schirmherr des Events. Spontan, aufgeschlossen und witzig stellte er sich den Pressefragen. Leidgetan hat mir der arme Abgesandte des Sponsors Quelle, der sich ausschließlich mit den Gerüchten um sein Unternehmen herumschlagen musste: Geht Quelle pleite? Warum wird der Katalog nicht versandt? Woher das Geld für das Sponsoring? Krise hin, Krise her – ich bin im Anschluss, stimuliert von so viel kreativem Schaffen (die Lookbücher der jungen Designer waren im Hotel ausgestellt worden), erstmal ein bisschen shoppen gegangen.

Um 14 Uhr dann weitere Inspiration – besagte Kaviar Gauche Show: Volles Zelt, hochkarätige Gäste und ich dank schwangerer Begleitung mit Sitzplatz in vorderster Front. Übrigens auch mit hervorragender Sicht auf Boris Becker und seine Herzensdame Lilly. Frau Becker, Ex Kerssenberg, sieht – nebenbei bemerkt – trotz Augenringen toll aus. Wahrscheinlich hätte ich die bei der ganzen Hetzerei rund um die Welt aber erstens auch. Zweitens – und viel relevanter – haftete mein Blick aber auch nahezu durchgehend auf der mittlerweile 70 jährigen (!!!) Warhol-Freundin und Modelikone Veruschka Gräfin von Lehndorff. Wenn die Frau was hat, dann Ausstrahlung! Los ging es schließlich zu den zarten Klängen von Jane Birkins ‚Je t’aime, moi non plus’, um dann paradoxerweise zu Rammstein zu wechseln. Das machte mir aber rein gar nichts – verzückt rief ich meiner Sitznachbarin Kristina bei jedem Stück ‚Das MUSS ich haben’ zu und konnte mich auch nach der frenetisch umjubelten Präsentation noch nicht wirklich beruhigen. Es ist kein Zufall, dass Kaviar Gauche seit der Gründung 2003 zu einem der international renommiertesten deutschen Label zählt!

Zusammengefasst haben sich Hektik und Dauermüdigkeit definitiv bezahlt gemacht – insgesamt gab es 33 Shows an vier Tagen. Ich hatte eine randvolle, spannende, aufschluss- und erkenntnisreiche Woche. Klar kann sich noch viel tun und ist Berlin nicht Paris oder Mailand. Aber die Stadt braucht sich auch nicht zu verstecken, hat sie doch sogar laut Suzy Menkes (und eine einflussreichere Modekritikerin fällt mir beim besten Willen nicht ein) ‚Mode im Blut’!